Grete Hermann war eine Pionierin in der mathematischphysikalischen Grundlagenforschung. Mitte der 1930er-Jahre setzte sie sich intensiv mit Johann (John) von Neumanns Überlegungen zu verborgenen Variablen in der Quantenmechanik auseinander.G rete Hermann wurde am 2. März 1901 in Bremen geboren.Sie studierte Mathematik, Physik und Philosophie in Göttingen und Freiburg und promovierte 1925 bei der Mathematikerin Emmy Noether mit einer Dissertation zur "Frage der endlich vielen Schritte in der Theorie der Polynomideale".Nach ihrer Promotion arbeitete Grete Hermann als private Assistentin beim Philosophen Leonard Nelson, einem Freund und Kollegen David Hilberts.Nach Nelsons Tod 1927 veröffentlichte sie zusammen mit Minna Specht Nelsons Arbeiten und hielt Vorträge zu seinem Werk.Specht war eine führende Figur des Internationalen Sozialistischen Kampfbunds ISK, einer kleinen intellektuellen Elite aus Göttingen.Daher war es kein Zufall, dass Grete Hermann ihre beiden wichtigsten Aufsätze zur Philosophie der Quanten-mechanik in der von Nelson begründeten "Neuen Folge der Abhandlungen der Fries'schen Schule" publizierte.Die heute antiquiert klingenden Titel der Aufsätze -"Die naturphilo sophischen Grundlagen der Quantenmechanik" [1] und "Über die Grundlagen physikalischer Aussagen in den älteren und den modernen Theorien" [2] -behandeln zur damaligen Zeit hoch aktuelle Fragen nach dem revolutionären Charakter der Quantenphysik.Grete Hermann argumentierte in beiden Arbeiten, dass der Indeterminismus der Quantenmechanik zwar bedeute, dass sich die Ergebnisse einer Messung nur mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit vorausberechnen lassen.