Kritik und Weiterentwicklung der Deutung
Kurt Baumann, Roman U. Sexl
Die positivistische und idealistische Deutung, die die Quantenmechanik in den Kopenhagener Diskussionen gefunden hatte, war für die marxistische Wissenschaftstheorie — den dialektischen Materialismus — unakzeptabel. Konnte es doch kaum einen schärferen Kontrast geben als zwischen Heisenbergs Feststellung „Die Bahn des Elektrons entsteht erst, indem wir sie beobachten“ und Lenins kategorischer Festlegung „Die einzige Eigenschaft der Materie, an deren Anerkennung der philosophische Materialismus gebunden ist, ist die Eigenschaft, objektive Realität zu sein, die außerhalb unseres Bewußtseins existiert“ [2]. Diese Feststellung findet sich in Lenins philosophischem Hauptwerk „Materialismus und Empiriokritizismus“, das 1909 erschien und später von Stalin zum philosophischen Kanon des Marxismus erklärt wurde. In diesem Werk wendet sich Lenin vor allem gegen die Philisophie Ernst Machs — und gerade diese hatte entscheidenden Einfluß auf die Entstehung und Deutung der Quantenmechanik. So galt es, die Philosophie des „Obskuranten, des Ordinarissimus der Philosophie an der Wiener Universität, Ernst Mach“ [3] zurückzudrängen und eine marxistische Deutung der Quantenmechanik zu finden.
Vieweg+Teubner eBooks•Jan 1, 1984•0 citations