Abstract Im ersten Teil seiner Darlegungen (Phys. Bl. 28, 344, 1972) befaßte sich der Verfasser mit den Problemen des Determinismus in der klassischen Wissenschaft und im dialektischen und historischen Materialismus. Von dort aus schritt er fort zu den Auswirkungen der Quantentheorie auf unsere Weltsicht, insbesondere durch die Aufhebung der strengen Subjekt‐Objekt‐Trennung. Es folgte die Behandlung der verschiedenen Begriffe von Wahrheit in Wissenschaft und Leben. Dieser Teil schloß mit Fragen der Macht und des Machtmissbrauches angesichts der Wahrheitsfrage.
Abstract Im ersten Teil seiner Darlegungen (Phys. Bl. 28, 344, 1972) befaßte sich der Verfasser mit den Problemen des Determinismus in der klassischen Wissenschaft und im dialektischen und historischen Materialismus. Von dort aus schritt er fort zu den Auswirkungen der Quantentheorie auf unsere Weltsicht, insbesondere durch die Aufhebung der strengen Subjekt‐Objekt‐Trennung. Es folgte die Behandlung der verschiedenen Begriffe von Wahrheit in Wissenschaft und Leben. Dieser Teil schloß mit Fragen der Macht und des Machtmissbrauches angesichts der Wahrheitsfrage.
Die erste systematische Schrift, die Ernst Cassirer veröffentlicht hat, ist das Buch "Substanzbegriff und Funktionsbegriff" von 1910, in dem er sich mit dem Problem der mathematischen und naturwissenschaftlichen Begriffsbildung auseinandersetzt. Als "Faktum" legte er den damaligen Stand der Wissenschaft zugrunde, der das klassische System der Physik noch als unbestritten galt. Mit den Fortschritten der Wissenschaften, in diesem Fall der Entwicklung der theoretischen Physik, muß die Erkenntniskritik Schritt halten. Und so drängten sich im Laufe der Zeit neue Fragen auf, die der philosophischen Behandlung bedurften. Aus dieser Motivation heraus veröffentlichte Cassirer 1920 die Schrift "Zur Einsteinschen Relativitätstheorie" (ECW Bd. 10), in der er sich mit der Um- und Neubildung der modernen Physik durch die allgemeine und spezielle Relativitätstheorie beschäftigt. Um dem philosophischen Ideal der methodischen Analyse und erkenntniskritischen Grundlegung gerecht zu werden, ergab sich jedoch die Notwendigkeit, auch die Auswirkungen der Quantentheorie in die Reflexion mit einzubeziehen. Den historischen Ursachen und systematischen Gründen der Sprengkraft, die die Quantentheorie auf dem ganzen Gebiet der Physik entwickelte, geht Cassirer in der Schrift "Determinismus und Indeterminismus in der modernen Physik" nach, die er 1936 abschließt.
Abstract Der Autor, Professor für Physik, ist zur Zeit Rektor der Universität Zagreb (Jugoslawien). Sein Beitrag ist dem Buch „Quanten und Felder”︁ entnommen, das, von Prof. H. P. Dürr zum 70sten Geburtstag von Prof. W. Heisenberg herausgegeben, im Verlag Friedr. Vieweg und Sohn (Braunschweig) 1971 erschienen ist. Die Ausführungen Prof. Supeks sind aus der Fülle von 24 Beiträgen des Werkes unter Beratung des Herausgebers der Geburtstagsschrift ausgewählt worden und werden hier im Einvernehmen mit dem Verlag wiedergegeben. Die Wahl fiel auf diesen Beitrag, weil er weder ausschließlich philosophisch‐historische Fragen behandelt, noch in die Tiefe quantenmechanischer Spezialfragen führt. Die gesellschaftspolitischen Aspekte der Ausführungen des Autors waren ein weiterer Grund, gerade diesen Artikel zur Vertretung des Buches zu Heisenbergs Geburtstag zu wählen.
Die Heisenberg-Gesellschaft, die im Dezember 2012 gegründet wurde, widmet sich der Vermittlung des geistigen Erbes von Werner Heisenberg. Er war einer der bedeutendsten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Mit seiner Quantenmechanik eröffnete er uns die Welt der kleinsten Bausteine der Materie, der Atome, Atomkerne und Elementarteilchen. Sie ermöglicht auch die Beschreibung der physikalischen Eigenschaften von Molekülen, chemischen Verbindungen, Kristallen, Feststoffen und Halbleitern und ist so die Grundlage der heutigen Computertechnik. Heisenbergs Entdeckung der Unbestimmtheitsrelation hat weitreichende Konsequenzen für die Naturphilosophie und die Erkenntnistheorie und erlaubt die abhörsichere Verschlüsselung von Informationen. Die Vorträge auf der jährlichen Mitgliederversammlung zu naturwissenschaftlichen und philosophischen Fragen im Zusammenhang mit Heisenbergs Werk werden als E-Book veröffentlicht. Der vorliegende zweite Band der Schriftenreihe behandelt die Rolle der Symmetrien in der Wissenschaft und Kunst und gibt eine beispielhafte Einführung in die Quantentheorie.
ZusammenfassungDer geniale Forscher, Vater der Biologie, Aristoteles, bemerkte, daß das Vorgehen der Tiere die Erreichung eines bestimmten Zwecks zum Ziel hat. Die Schwalbe baut ihr Nest, um sich und ihre Jungen zu beschützen. Nach Aristoteles sind solche Zwecke die Ursachen gewisser Tätigkeiten, also gerade das Gegenteil unseres üblichen Begriffes von Ursache und Folge. Der griechische Philosoph sah eine Schwierigkeit in der Voraussetzung, daß das Nachher auf das Vorher wirkt, doch rettete er sich durch trübe Mutmaßungen über die Formen, die lebende Organismen in sich tragen. Die katholische Kirche hat jedoch die Aristotelische Teleologie oder die Lehre von der Zweckmäßigkeit übernommen. So lehrte auch der große Scholastiker Thomas von Aquin, daß das Schicksal des Menschen durch Gottes Willen im voraus bestimmt, prädestiniert ist, und demzufolge wird sich der Sterbliche derart verhalten, daß das vorbestimmte Ende erreicht wird. Diese Prädestination konnte natürlich auch auf strenge Bestimmtheit zurückgeführt werden. Denn wenn das Endziel bestimmt ist, ist auch jeder Schritt zwischen Entstehung und Tod bestimmt, und jeder nächste Schritt kann als Folge des vorangegangenen Schrittes, der vorangegangenen Ursache betrachtet werden. Bei Erklärung der Determiniertheit ist das Dilemma illusorisch, ob jenes früher oder jenes später als Ursache auftritt. Ebenso illusorisch ist es, sagt Heisenberg, den Determinismus auf die Weise zu definieren, daß das, was geschehen ist, auch geschehen muβte. Das, was einmal geschehen ist, ist für immer vergangen, und wie soll dann festgestellt werden, ob es geschehen mußte oder nicht? Die Scholastik stellte das Kriterium der Determiniertheit jedenfalls in Gottes Auge, das alles sieht, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Jemanden muß es geben, der die Welt betrachtend künftige und vergangene Ereignisse aussagen kann. Indem man Gott absetzte, wurde dies der Genius von Newtons Mechanik. Nach den Gesetzen der klassischen Mechanik und aufgrund der Kenntnis der Kräfte konnten die Bewegungen der Planeten und Atome für alle Zeiten errechnet werden; sowohl Zukunft als Vergangenheit wären einem solchen mathematischen Genie offenbar. Nachdem Newtons Schüler auffällige astronomische Erscheinungen vorausgesagt hatten, wurde das Vorhersagen zum Wesen der Wissenschaft überhaupt.
Die Gesetze der klassischen Mechanik und nach ihrem Vorbild die der ganzen klassischen Physik sind so beschaffen, daß, wenn die Variablen eines abgeschlossenen Systems in einem Anfangszeitpunkt gegeben sind, sie für jede andere Zeit berechnet werden können — wenigstens im Prinzip; denn die mathematische Durchführung übersteigt in den meisten Fällen mensch= liche Kräfte. Dieser deterministische Gedanke hat eine große Anziehungs= kraft auf viele Denker ausgeübt und wurde zu einem wesentlichen Teil der naturwissenschaftlichen Philosophie. Die moderne Physik aber hat den Determinismus mit andern überkommenen Lehren über Raum, Zeit und Materie unter dem Druck neuer empirischer Erkenntnisse aufgeben müssen. Die Quantenmechanik, die an die Stelle der Newtonschen Mechanik getreten ist, erlaubt nur statistische Aussagen über das Verhalten von Masse= teilchen. Die große Mehrzahl der Physiker hat sich mit dieser Sachlage abgefunden; denn sie entspricht genau der empirischen Situation in der Atom= und Kernphysik, wo die Experimente im wesentlichen auf Zählun= gen von Ereignissen beruhen. Unter den Theoretikern aber sind einige, die sich damit nicht zufrieden geben, und zwar sind es gerade einige der großen Männer, denen die Quantentheorie ihre Entstehung und Entwick= lung verdankt. Soviel ich weiß, war Planck selbst immer skeptisch gegen über der statistischen Deutung der Quantenmechanik. Von Einstein gilt das gleiche; er hat bis heute nicht aufgegeben, den Widersinn dieser Deu= tung durch raffinierte Beispiele nachzuweisen (wobei er übrigens noch mehr Anstoß nimmt an der Auflösung des Begriffs der physikalischen Realität, die mit der Aufgabe des Determinismus eng zusammenhängt). Schrödinger geht noch weiter und schlägt vor, den Begriff von Teilchen (Elektronen, Kernen, Atomen etc.) zu opfern und die Physik ganz und gar auf die Vorstellung von Wellen aufzubauen, die dann nach der Wellen= mechanik deterministischen Gesetzen gehorchen. de Broglie (und andere) gehen den umgekehrten Weg; sie verwerfen die Wellen und versuchen eine Umdeutung der Quantenmechanik, bei der im Prinzip alles determiniert ist und nur durch das Vorhandensein verborgener, nicht beobachtbarer Para= meter eine Unbestimmtheit der Vorhersagen entsteht. — Keiner von ihnen leugnet, daß die Quantenmechanik im Bereiche ihrer Zuständigkeit (d. h. abgesehen von der Theorie der Elementarteilchen) im Einklang mit der Er= fahrung ist und allen Anforderungen der Experimentatoren genügt. Die Ablehnung wird in jedem Falle damit begründet, daß die übliche Deutung der Quantenformeln unklar und philosophisch unbefriedigend ist.