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Physikalische Blätter

Über den dogmatischen und den naturwissenschaftlichen Standpunkt

Erich Ulrich

Published May 1, 1973• 0 citations
Publisher

Abstract

Abstract Einige kritische und ergänzende Bemerkungen zu Ivan Supek, „Wirklichkeit und Freiheit im Lichte von Heisenbergs Revolution”︁, Physik. Bl. 28, 344, 491 (1972): Determinismus als Glaubensgewißheit oder Arbeitshypothese, Statistik statt Determinismus, Fragwürdigkeit soziologischer Gesetze, dogmatische und naturwissenschaftliche Wahrheit, Wahrheit und Macht, dreierlei Zufall, Substanzbegriff, Freiheit des Menschen, Objekt und Subjekt, Wissenschaft und Kunst.

DOI
10.1002/phbl.19730290501

Related papers

Wirklichkeit und Freiheit im Lichte von Heisenbergs Revolution II

Ivan Supek

Abstract Im ersten Teil seiner Darlegungen (Phys. Bl. 28, 344, 1972) befaßte sich der Verfasser mit den Problemen des Determinismus in der klassischen Wissenschaft und im dialektischen und historischen Materialismus. Von dort aus schritt er fort zu den Auswirkungen der Quantentheorie auf unsere Weltsicht, insbesondere durch die Aufhebung der strengen Subjekt‐Objekt‐Trennung. Es folgte die Behandlung der verschiedenen Begriffe von Wahrheit in Wissenschaft und Leben. Dieser Teil schloß mit Fragen der Macht und des Machtmissbrauches angesichts der Wahrheitsfrage.

Physikalische Blätter•Nov 1, 1972•0 citations

Wirklichkeit und Freiheit im Lichte von Heisenbergs Revolution I

Ivan Supek

Abstract Der Autor, Professor für Physik, ist zur Zeit Rektor der Universität Zagreb (Jugoslawien). Sein Beitrag ist dem Buch „Quanten und Felder”︁ entnommen, das, von Prof. H. P. Dürr zum 70sten Geburtstag von Prof. W. Heisenberg herausgegeben, im Verlag Friedr. Vieweg und Sohn (Braunschweig) 1971 erschienen ist. Die Ausführungen Prof. Supeks sind aus der Fülle von 24 Beiträgen des Werkes unter Beratung des Herausgebers der Geburtstagsschrift ausgewählt worden und werden hier im Einvernehmen mit dem Verlag wiedergegeben. Die Wahl fiel auf diesen Beitrag, weil er weder ausschließlich philosophisch‐historische Fragen behandelt, noch in die Tiefe quantenmechanischer Spezialfragen führt. Die gesellschaftspolitischen Aspekte der Ausführungen des Autors waren ein weiterer Grund, gerade diesen Artikel zur Vertretung des Buches zu Heisenbergs Geburtstag zu wählen.

Physikalische Blätter•Aug 1, 1972•0 citations

Physikalische Wirklichkeit

Ilse Rosenthal-Schneider

Eines der kontroversiellsten Probleme an der Grenze zwischen Naturwissenschaft und Philosophie betrifft den Begriff der physikalischen Wirklichkeit. Als Laue feststellte, daß wir unseren Substanzbegriff revidieren müssen, forderte er nicht, daß wir unser Realitätskonzept überdenken sollten. Dies würde wesentlich mehr bedeuten, als die Verwendung von Modellen in der Physik oder die Anwendung immer abstrakterer Mathematik aufzugeben. In diesem Sinne sprach Bohr von der „wesentlichen Unzulänglichkeit des gewohnten Standpunkts der Naturbeschreibung“ und von der „Notwendigkeit,... unsere Haltung gegenüber dem Problem der physikalischen Wirklichkeit von Grund aus zu revidieren“.1

Vieweg+Teubner eBooks•Jan 1, 1988•0 citations

Determinismus und Indeterminismus in der modernen Physik. Historische und systematische Studien zum Kausalproblem

Ernst Cassirer

Die erste systematische Schrift, die Ernst Cassirer veröffentlicht hat, ist das Buch "Substanzbegriff und Funktionsbegriff" von 1910, in dem er sich mit dem Problem der mathematischen und naturwissenschaftlichen Begriffsbildung auseinandersetzt. Als "Faktum" legte er den damaligen Stand der Wissenschaft zugrunde, der das klassische System der Physik noch als unbestritten galt. Mit den Fortschritten der Wissenschaften, in diesem Fall der Entwicklung der theoretischen Physik, muß die Erkenntniskritik Schritt halten. Und so drängten sich im Laufe der Zeit neue Fragen auf, die der philosophischen Behandlung bedurften. Aus dieser Motivation heraus veröffentlichte Cassirer 1920 die Schrift "Zur Einsteinschen Relativitätstheorie" (ECW Bd. 10), in der er sich mit der Um- und Neubildung der modernen Physik durch die allgemeine und spezielle Relativitätstheorie beschäftigt. Um dem philosophischen Ideal der methodischen Analyse und erkenntniskritischen Grundlegung gerecht zu werden, ergab sich jedoch die Notwendigkeit, auch die Auswirkungen der Quantentheorie in die Reflexion mit einzubeziehen. Den historischen Ursachen und systematischen Gründen der Sprengkraft, die die Quantentheorie auf dem ganzen Gebiet der Physik entwickelte, geht Cassirer in der Schrift "Determinismus und Indeterminismus in der modernen Physik" nach, die er 1936 abschließt.

Felix Meiner Verlag eBooks•Jan 1, 2004•44 citations

Wirklichkeit und Freiheit im Lichte von Heisenbergs Revolution

I. Supek

ZusammenfassungDer geniale Forscher, Vater der Biologie, Aristoteles, bemerkte, daß das Vorgehen der Tiere die Erreichung eines bestimmten Zwecks zum Ziel hat. Die Schwalbe baut ihr Nest, um sich und ihre Jungen zu beschützen. Nach Aristoteles sind solche Zwecke die Ursachen gewisser Tätigkeiten, also gerade das Gegenteil unseres üblichen Begriffes von Ursache und Folge. Der griechische Philosoph sah eine Schwierigkeit in der Voraussetzung, daß das Nachher auf das Vorher wirkt, doch rettete er sich durch trübe Mutmaßungen über die Formen, die lebende Organismen in sich tragen. Die katholische Kirche hat jedoch die Aristotelische Teleologie oder die Lehre von der Zweckmäßigkeit übernommen. So lehrte auch der große Scholastiker Thomas von Aquin, daß das Schicksal des Menschen durch Gottes Willen im voraus bestimmt, prädestiniert ist, und demzufolge wird sich der Sterbliche derart verhalten, daß das vorbestimmte Ende erreicht wird. Diese Prädestination konnte natürlich auch auf strenge Bestimmtheit zurückgeführt werden. Denn wenn das Endziel bestimmt ist, ist auch jeder Schritt zwischen Entstehung und Tod bestimmt, und jeder nächste Schritt kann als Folge des vorangegangenen Schrittes, der vorangegangenen Ursache betrachtet werden. Bei Erklärung der Determiniertheit ist das Dilemma illusorisch, ob jenes früher oder jenes später als Ursache auftritt. Ebenso illusorisch ist es, sagt Heisenberg, den Determinismus auf die Weise zu definieren, daß das, was geschehen ist, auch geschehen muβte. Das, was einmal geschehen ist, ist für immer vergangen, und wie soll dann festgestellt werden, ob es geschehen mußte oder nicht? Die Scholastik stellte das Kriterium der Determiniertheit jedenfalls in Gottes Auge, das alles sieht, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Jemanden muß es geben, der die Welt betrachtend künftige und vergangene Ereignisse aussagen kann. Indem man Gott absetzte, wurde dies der Genius von Newtons Mechanik. Nach den Gesetzen der klassischen Mechanik und aufgrund der Kenntnis der Kräfte konnten die Bewegungen der Planeten und Atome für alle Zeiten errechnet werden; sowohl Zukunft als Vergangenheit wären einem solchen mathematischen Genie offenbar. Nachdem Newtons Schüler auffällige astronomische Erscheinungen vorausgesagt hatten, wurde das Vorhersagen zum Wesen der Wissenschaft überhaupt.

Vieweg+Teubner eBooks•Jan 1, 1971•0 citations

Über ihr Denken und Fühlen

Ilse Rosenthal-Schneider

Im Gegensatz zu vielen — leider muß ich sagen, den meisten — modernen Physikern waren Einstein, Laue und Planck nicht nur an der Philosophie interessiert, sondern sie anerkannten ihre fundamentale Rolle für die theoretische Physik. Und es war natürlich die Erkenntnistheorie, die einen Großteil der Probleme lieferte, welche die Naturwissenschaften betrafen. Wir diskutierten zum Beispiel den Einfluß der Relativitätstheorie auf die Deutung der Begriffe Raum und Zeit oder die Konsequenzen der Quantentheorie für Kontinuität und Kausalität, und wir diskutierten die Frage von Determinismus versus statistische Vorstellungen, Realität und viele andere mehr.

Vieweg+Teubner eBooks•Jan 1, 1988•0 citations
Abstract Einige kritische und ergänzende Bemerkungen zu Ivan Supek, „Wirklichkeit und Freiheit im Lichte von Heisenbergs Revolution”︁, Physik. Bl. 28, 344, 491 (1972): Determinismus als Glaubensgewißheit oder Arbeitshypothese, Statistik statt Determinismus, Fragwürdigkeit soziologischer Gesetze, dogmatische und naturwissenschaftliche Wahrheit, Wahrheit und Macht, dreierlei Zufall, Substanzbegriff, Freiheit des Menschen, Objekt und Subjekt, Wissenschaft und Kunst.
Abstract Im ersten Teil seiner Darlegungen (Phys. Bl. 28, 344, 1972) befaßte sich der Verfasser mit den Problemen des Determinismus in der klassischen Wissenschaft und im dialektischen und historischen Materialismus. Von dort aus schritt er fort zu den Auswirkungen der Quantentheorie auf unsere Weltsicht, insbesondere durch die Aufhebung der strengen Subjekt‐Objekt‐Trennung. Es folgte die Behandlung der verschiedenen Begriffe von Wahrheit in Wissenschaft und Leben. Dieser Teil schloß mit Fragen der Macht und des Machtmissbrauches angesichts der Wahrheitsfrage.
Abstract Der Autor, Professor für Physik, ist zur Zeit Rektor der Universität Zagreb (Jugoslawien). Sein Beitrag ist dem Buch „Quanten und Felder”︁ entnommen, das, von Prof. H. P. Dürr zum 70sten Geburtstag von Prof. W. Heisenberg herausgegeben, im Verlag Friedr. Vieweg und Sohn (Braunschweig) 1971 erschienen ist. Die Ausführungen Prof. Supeks sind aus der Fülle von 24 Beiträgen des Werkes unter Beratung des Herausgebers der Geburtstagsschrift ausgewählt worden und werden hier im Einvernehmen mit dem Verlag wiedergegeben. Die Wahl fiel auf diesen Beitrag, weil er weder ausschließlich philosophisch‐historische Fragen behandelt, noch in die Tiefe quantenmechanischer Spezialfragen führt. Die gesellschaftspolitischen Aspekte der Ausführungen des Autors waren ein weiterer Grund, gerade diesen Artikel zur Vertretung des Buches zu Heisenbergs Geburtstag zu wählen.
Eines der kontroversiellsten Probleme an der Grenze zwischen Naturwissenschaft und Philosophie betrifft den Begriff der physikalischen Wirklichkeit. Als Laue feststellte, daß wir unseren Substanzbegriff revidieren müssen, forderte er nicht, daß wir unser Realitätskonzept überdenken sollten. Dies würde wesentlich mehr bedeuten, als die Verwendung von Modellen in der Physik oder die Anwendung immer abstrakterer Mathematik aufzugeben. In diesem Sinne sprach Bohr von der „wesentlichen Unzulänglichkeit des gewohnten Standpunkts der Naturbeschreibung“ und von der „Notwendigkeit,... unsere Haltung gegenüber dem Problem der physikalischen Wirklichkeit von Grund aus zu revidieren“.1
Die erste systematische Schrift, die Ernst Cassirer veröffentlicht hat, ist das Buch "Substanzbegriff und Funktionsbegriff" von 1910, in dem er sich mit dem Problem der mathematischen und naturwissenschaftlichen Begriffsbildung auseinandersetzt. Als "Faktum" legte er den damaligen Stand der Wissenschaft zugrunde, der das klassische System der Physik noch als unbestritten galt. Mit den Fortschritten der Wissenschaften, in diesem Fall der Entwicklung der theoretischen Physik, muß die Erkenntniskritik Schritt halten. Und so drängten sich im Laufe der Zeit neue Fragen auf, die der philosophischen Behandlung bedurften. Aus dieser Motivation heraus veröffentlichte Cassirer 1920 die Schrift "Zur Einsteinschen Relativitätstheorie" (ECW Bd. 10), in der er sich mit der Um- und Neubildung der modernen Physik durch die allgemeine und spezielle Relativitätstheorie beschäftigt. Um dem philosophischen Ideal der methodischen Analyse und erkenntniskritischen Grundlegung gerecht zu werden, ergab sich jedoch die Notwendigkeit, auch die Auswirkungen der Quantentheorie in die Reflexion mit einzubeziehen. Den historischen Ursachen und systematischen Gründen der Sprengkraft, die die Quantentheorie auf dem ganzen Gebiet der Physik entwickelte, geht Cassirer in der Schrift "Determinismus und Indeterminismus in der modernen Physik" nach, die er 1936 abschließt.
ZusammenfassungDer geniale Forscher, Vater der Biologie, Aristoteles, bemerkte, daß das Vorgehen der Tiere die Erreichung eines bestimmten Zwecks zum Ziel hat. Die Schwalbe baut ihr Nest, um sich und ihre Jungen zu beschützen. Nach Aristoteles sind solche Zwecke die Ursachen gewisser Tätigkeiten, also gerade das Gegenteil unseres üblichen Begriffes von Ursache und Folge. Der griechische Philosoph sah eine Schwierigkeit in der Voraussetzung, daß das Nachher auf das Vorher wirkt, doch rettete er sich durch trübe Mutmaßungen über die Formen, die lebende Organismen in sich tragen. Die katholische Kirche hat jedoch die Aristotelische Teleologie oder die Lehre von der Zweckmäßigkeit übernommen. So lehrte auch der große Scholastiker Thomas von Aquin, daß das Schicksal des Menschen durch Gottes Willen im voraus bestimmt, prädestiniert ist, und demzufolge wird sich der Sterbliche derart verhalten, daß das vorbestimmte Ende erreicht wird. Diese Prädestination konnte natürlich auch auf strenge Bestimmtheit zurückgeführt werden. Denn wenn das Endziel bestimmt ist, ist auch jeder Schritt zwischen Entstehung und Tod bestimmt, und jeder nächste Schritt kann als Folge des vorangegangenen Schrittes, der vorangegangenen Ursache betrachtet werden. Bei Erklärung der Determiniertheit ist das Dilemma illusorisch, ob jenes früher oder jenes später als Ursache auftritt. Ebenso illusorisch ist es, sagt Heisenberg, den Determinismus auf die Weise zu definieren, daß das, was geschehen ist, auch geschehen muβte. Das, was einmal geschehen ist, ist für immer vergangen, und wie soll dann festgestellt werden, ob es geschehen mußte oder nicht? Die Scholastik stellte das Kriterium der Determiniertheit jedenfalls in Gottes Auge, das alles sieht, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Jemanden muß es geben, der die Welt betrachtend künftige und vergangene Ereignisse aussagen kann. Indem man Gott absetzte, wurde dies der Genius von Newtons Mechanik. Nach den Gesetzen der klassischen Mechanik und aufgrund der Kenntnis der Kräfte konnten die Bewegungen der Planeten und Atome für alle Zeiten errechnet werden; sowohl Zukunft als Vergangenheit wären einem solchen mathematischen Genie offenbar. Nachdem Newtons Schüler auffällige astronomische Erscheinungen vorausgesagt hatten, wurde das Vorhersagen zum Wesen der Wissenschaft überhaupt.
Im Gegensatz zu vielen — leider muß ich sagen, den meisten — modernen Physikern waren Einstein, Laue und Planck nicht nur an der Philosophie interessiert, sondern sie anerkannten ihre fundamentale Rolle für die theoretische Physik. Und es war natürlich die Erkenntnistheorie, die einen Großteil der Probleme lieferte, welche die Naturwissenschaften betrafen. Wir diskutierten zum Beispiel den Einfluß der Relativitätstheorie auf die Deutung der Begriffe Raum und Zeit oder die Konsequenzen der Quantentheorie für Kontinuität und Kausalität, und wir diskutierten die Frage von Determinismus versus statistische Vorstellungen, Realität und viele andere mehr.