Madeleine Scherrer
Das Phänomen der Fernbeziehungen in DiffraktionsmusternDiffraktionsmuster I. Auf den folgenden Seiten soll ein erstes Diffraktionsmuster erzeugt werden.Mit der experimentellen Erarbeitung dieses Diffraktionsmusters, das in zwei Variationen (a.und b.) hervorgebracht wird, verfolge ich zwei Ziele, die eng miteinander verbunden sind: Zum einen werden in beiden Variationen einige der im vorangehenden Kapitel 8 eingeführten physikalisch-philosophischen Begriffe Barads konkretisiert.So wird etwa in actu zu zeigen sein, was es heißt, Einsichten, Texte oder Materialien nicht in oppositionelle Stellung zueinander zu bringen bzw.diese nicht gegeneinander, sondern ›durcheinander hindurch‹ zu lesen.Bei Variation b. wird es darüber hinaus um die Frage gehen, wie Theorie durch Empirie und Empirie durch Theorie verschoben werden kann, damit neue Erkenntnisse zum Phänomen der Fernbeziehungen generiert werden können bzw.damit das Phänomen selbst erst in einer spezifischen Weise hervorgebracht werden kann.Zum anderen besteht bei der Erzeugung dieses ersten Diffraktionsmusters das Ziel in einem inhaltlichen Sinn darin, den Begriff der Intimität und damit zusammenhängende normalisierende Vorstellungen, wie sie in Kapitel 2 erörtert wurden, in der Weise eines Doppelspaltexperiments als Beugungsgitter (engl.diffraction grating) (vgl.hierzu bspw.Barad, 2003, S. 811 sowie Kap.8) einzusetzen.Die Installation des Beugungsgitters stellt eine Setzung dar, die aufgrund des Erkenntnisinteresses der vorliegenden Untersuchung zwar nicht beliebig, aber auch nicht unveränderbar ist.Durch dieses Beugungsgitter werden Elemente der Massey'schen Rekonzeptualisierung des Raumbegriffs, der Lefebvre'schen Raum-Triade sowie weitere Überlegungen von Theoretiker_innen, die im Feld der kritischen bzw.feministischen Geografie verortet werden können, ›hindurchgelassen‹.Mithilfe dieser experimentellen Diffraktionsapparatur entstehen die beiden genannten Variationen eines ersten Musters zum Phänomen der Fernbeziehungen.Zugleich wird sich zeigen, dass die Apparatur in sich nicht gleich bleibt, sondern aufgrund ihrer Intraaktion im Prozess der Erzeugung des Diffraktionsmusters selbst verändert wird (vgl.hierzu bspw.Barad, 2007, S. 146).Das Diffraktionsmuster I. Variation a. -Feministisch-raumtheoretische, agentielle Schnitte/Normalisierte Intimität Wie in den Vorbemerkungen zum theoretischen Schnitt I: Raum (Kap.6.1) erörtert wurde, versteht Massey (1992, S. 67) Raum als spezifische ›Dimension‹, die unser Erleben und Vorstellen der Welt prägt.In diesem Zusammenhang spielt es eine Rolle -»[i]t matters« (Massey, 2006, S. 89) -, wie Raum konzeptualisiert wird bzw.
transcript Verlag eBooks•Oct 27, 2021•0 citations