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Angewandte Chemie

Die moderne Atomlehre und die Philosophie

C. F. Freiherr

Published Apr 11, 1942• 2 citations
Publisher
DOI
10.1002/ange.19420551504

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Bohrs geistige Väter sind ebenso komplementär wie die raumzeitliche und kausale Beschreibungsweise der Physik. Es sind dies die Yin-Yang-Philosophie in China und die Philosophie der christlichen Existenz bei Sören Kierkegaard. Beide versuchen, die grundlegenden Paradoxien des Seins zu umschreiben, die Yin-Yang-Philosophie für das Universum, Kierkegaard für den Menschen. Während Yin und Yang jedoch Polaritäten innerhalb des Grossen Einen darstellen, zielt Kierkegaard auf die Zerrissenheit des Menschen, die in dieser Welt nicht in Harmonie auflösbar ist. Wie stark Bohr von Yin und Yang inspiriert war, zeigt sein von ihm selbst entworfenes Wappen. Es enthält das Symbol von Yin und Yang mit der Überschrift «Contraria sunt complementa» (die Gegensätzlichkeiten sind komplementär).1

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Bohrs geistige Väter sind ebenso komplementär wie die raumzeitliche und kausale Beschreibungsweise der Physik. Es sind dies die Yin-Yang-Philosophie in China und die Philosophie der christlichen Existenz bei Sören Kierkegaard. Beide versuchen, die grundlegenden Paradoxien des Seins zu umschreiben, die Yin-Yang-Philosophie für das Universum, Kierkegaard für den Menschen. Während Yin und Yang jedoch Polaritäten innerhalb des Grossen Einen darstellen, zielt Kierkegaard auf die Zerrissenheit des Menschen, die in dieser Welt nicht in Harmonie auflösbar ist. Wie stark Bohr von Yin und Yang inspiriert war, zeigt sein von ihm selbst entworfenes Wappen. Es enthält das Symbol von Yin und Yang mit der Überschrift «Contraria sunt complementa» (die Gegensätzlichkeiten sind komplementär).1
In die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts fielen nicht nur die Umwälzungen der Physik durch Relativitätstheorie und Quantentheorie. Es war auch eine Zeit, in der die Physiker zu Philosophen wurden - und dies aus Notwendigkeit und mit Konsequenzen, wie dieses Buch zeigt. Zu Unrecht klage man darüber, daß unsere Generation keine Philosophen habe, soll schon Adolf von Harnack gesagt haben: "Die Philosophen sitzen jetzt nur in der anderen Fakultät, sie heißen Planck und Einstein." Einstein hat auch die Begründung dafür vorgezeichnet, warum er und seine Kollegen die Philosophie nicht den Philosophen überlassen konnten. In einer Zeit, in der die Physiker über ein festes, nicht angezweifeltes System verfügten, möge dies wohl in Ordnung gewesen sein, schreibt er, "nicht aber in einer Zeit, in welcher das ganze Fundament der Physik problematisch geworden ist". Nur der Physiker selbst jedoch fühle und wisse am besten, wo ihn der Schuh drückt. In einer aufwendig recherchierten, auf die Originalquellen zurückgreifenden und umfassenden Darstellung analysiert der Naturwissenschaftler und Philosophiehistoriker Erhard Scheibe dieses neue Verhältnis von Physik und Philosophie und den dazugehörigen Typus des philosophierenden Physikers, der die Physik bis heute nachhaltig prägt. Zum Buch In die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts fielen nicht nur die Umwälzungen der Physik durch Relativitätstheorie und Quantentheorie. Es war auch eine Zeit, in der die Physiker zu Philosophen wurden - und dies aus Notwendigkeit und mit Konsequenzen, wie dieses Buch zeigt. Zu Unrecht klage man darüber, daß unsere Generation keine Philosophen habe, soll schon Adolf von Harnack gesagt haben: "Die Philosophen sitzen jetzt nur in der anderen Fakultät, sie heißen Planck und Einstein." Einstein hat auch die Begründung dafür vorgezeichnet, warum er und seine Kollegen die Philosophie nicht den Philosophen überlassen konnten. In einer Zeit, in der die Physiker über ein festes, nicht angezweifeltes System verfügten, möge dies wohl in Ordnung gewesen sein, schreibt er, "nicht aber in einer Zeit, in welcher das ganze Fundament der Physik problematisch geworden ist". Nur der Physiker selbst jedoch fühle und wisse am besten, wo ihn der Schuh drückt. In einer aufwendig recherchierten, auf die Originalquellen zurückgreifenden und umfassenden Darstellung analysiert der Naturwissenschaftler und Philosophiehistoriker Erhard Scheibe dieses neue Verhältnis von Physik und Philosophie und den dazugehörigen Typus des philosophierenden Physikers, der die Physik bis heute nachhaltig prägt.