Abstract Vor hundert Jahren, am 11. Dezember 1882, wurde Max Born geboren. Sein Name ist mit der Schaffung der Quantenmechanik verbunden, auch mit einer glücklichen Periode der Göttinger Universität. Davon soll dieser Aufsatz handeln.
Heisenberg — Student bei Sommerfeld und Born — gehörte zum Kreis junger und talentierter Physiker, die mit Bohr und Born frühzeitig die Auffassung vertraten, man müsse nach einer neuen Mechanik suchen, welche im atomaren Bereich an die Stelle der klassischen Newtonschen Mechanik treten könne und für die Makrophysik korrespondenzmäßig in diese übergehe. Seit dem Sommersemester 1924 sprach man in Borns Seminar in Göttingen bereits von der neuen Quantenmechanik und diskutierte verschiedene Ansätze, die später wieder aufgegeben werden mußten. Ähnlich ging man im Kopenhagener Institut für theoretische Physik bei Bohr vor. Daraus mußten Spannungen zur Münchner Gruppe von Sommerfeld erwachsen, wo man bereits davon überzeugt war, die Umrisse der neuen Theorie zu besitzen.
A m 11.Dezember 1932 erschien anlaBlich des 50.Geburtstages von Max Born eine Fest-und Sondernummer der bekannten ,,Gottinger Nachrichten".Diese Nummer war unter Mitwirkung der ,,Gottinger Gesellschaft fur komische Physik" von Johann Ertel herausgegeben worden.Nachdem wir schon fruher Teile der Festschrift ohne Befragung von Autoren, Redaktion und Verlag nach ihrem Einverstandnis wiedergegeben hatten, seien nun anla5lich der 30.Wiederkehr des Ausgabetages der Festschrift wiederum einige Beitrage aus den vergilbten Blattern entnommen.Es handelt sich um die tiefschurfenden Arbeiten von C. F. von Weizsacker, V. WeiBkopf, G. Gamow, V. Fock und W. Heisenberg.Infolge besonderer Umstande konnten die am 11.Dezember 1932 in einem Born-Festkolloquium vorgetragenen Arbeiten 1933 nicht im Druck erscheinen.Sie waren lange Jahre verschollen und sind erst kurzlich wieder aufgefunden worden.Wir hoffen nicht nur, daR die Herrn Born gewidmeten Untersuchungen unsere Leser interessieren werden, sondern hoffen auf Verzeihung bei den Autoren wegen unserer redaktionellen Selbstandigkeit.Wir wiinschen uns Zustimmung und stilles Vergnugen bei dem Jubilar, derals gro5er Physiker wohlbekanntauch als Nachdichter nicht nur die Edinburgher erfreut hat, wenn er Wilhelm Busch den Englandern nahe bringt.Hier noch die Ubertragung eines Verses aus dem Englischen ins Deutsche, eines Verses, der ein sehr ernstes Anliegen von Max Born in eine liebenswurdige Form kleidet: Und nun die ausgewahlten Beitrage der ,,Gottinger Nachrichten" vom 11.Dezember 1932, zu deren vollem Verstandnis es an einigen Stellen der intimen Kenntnis des Gottinger Institutslebens vor einem halben Jahrhundert mangelt.Eine Anwendung der Theorie der Kristallgitter BunsenstraBe 0,02940 Konigsallee auf Fragen der Bevolkerungsstatistik 0,00161
Die Debatte tiber die Grundlagen der Quantentheorie, die auf eine mehr als fiinfzigjiihrige Tradition zurtickblickt, war in zwei Perioden besonders intensiv, niimlich unmittelbar nach der Begrtindung der Quantentheorie und wiederum in den letzten Jahren. An die Frtihzeit der Quantenphysik erinnerte Max Born in seiner Rede, die er anliiBlich der Verleihung des Nobelpreises im Jahre 1954 hielt. Er beschrieb die tiefgreifende Meinungsverschiedenheit, die die bertihmtesten Quantentheoretiker in 1 zwei Lager schied: Wenn ich sagte, die Physiker hiitten die damals von uns entwickelte Denkweise angenommen, so war ich nicht ganz korrekt: es gibt ein paar sehr bemerkenswerte Ausnahmen, und zwar gerade unter den Miinnern, die am meisten zum Aufbau der Quantentheorie beigetragen haben. Planck selbst gehorte zu den Skeptikern bis zu seinem Tode. Einstein, de Broglie und Schrodinger haben nicht aufgehort, das Unbefriedigende der statistischen Interpretation der Quanten- mechanik zu betonen. Dieser intellektuelle Kampf betraf einige der grundlegendsten Fragen der gesamten Naturwissenschaft: existieren die atomaren Objekte unabhangig von der menschlichen Beobachtung und, wenn dies- der Fall ist, sind sie dann dem menschlichen Verstiindnis zugiinglich? 1m groBen und ganzen kann man sagen, daB die Kopenhagener und Gottinger Schulen (Bohr, Heisenberg, Born . . . ) diese Fragen ziemlich pessimistisch beantwor- teten. Niels Bohr befiirwortete beispielsweise den Gebrauch des Wortes Phanomen nur zur Beschreibung einer Messung, die notwendigerweise eine vollstandige Be- schreibung des MeBapparates mitenthielt und damit nicht das atomare Objekt selbst, sondern seine Wechselwirkung mit dem von Menschen gewahlten Apparate betraf.