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Der Kalām-basierte Neu-Erschaffungsansatz von Basil Altaie im Vergleich zu christlich geprägten Quantum-Divine-Action-Modellen

Hakan Turan

Published Jan 1, 2024• 0 citations
Publisher

Abstract

Der weithin akzeptierte Indeterminismus in den Mikroprozessen der Quantentheorie wurde oft als mögliche Schnittstelle zwischen der von Naturgesetzen bestimmten Erfahrungswelt und einem aktiv in der Welt wirkenden Schöpfergott diskutiert. Die Quantum-Divine-Action-Modelle, die vor allem von christlichen Naturwissenschaftlern und Religionsphilosophen entwickelt wurden, beruhen auf dieser Idee. In diesem Artikel wird die islamisch geprägte Naturphilosophie des muslimischen Physikers Basil Altaie untersucht, die ebenfalls den Quantum-Divine-Action-Modellen zugeordnet werden kann. Altaie stützt sich dabei auf die atomistische Metaphysik der islamischen Kalām-Theologen und präsentiert eine neue Interpretation dieser Metaphysik im Licht der modernen Quantentheorie. Das Ergebnis ist eine Synthese aus Kalām-Theologie und Philosophie der Quantentheorie, die in diesem Artikel unter verschiedenen Gesichtspunkten untersucht wird.

DOI
10.5771/2748-923x-2024-1-25

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Logik und Quantenlogik

Peter Mittelstaedt

Die Quantentheorie und die Theorie der quantenmechanischen Messung ermoglichen es, Aussagen uber quantenphysikalische Systeme (Atome, Kerne, Elementarteilchen) zu machen, die an diesen Systemen experimentell nachgepruft werden konnen.Beispiele fur solche Aussagen sind z.B. ,,das Elektron hat den Impuls p" oder ,,der Atomkern hat einen Drehimpuls J".Wie fur die Aussagen aller Wissensgebiete wird man zunachst auch fur diese Aussagen erwarten, daR sie den Regeln der Logik gehorchen.Tatsachlich ist das aber nicht der Fall.Es hat sich namlich gezeigt, daB von den Regeln der Aussagenlogik, die zuerst von den Stoikern aufgestellt wurden, spater im Mittelalter und in der modernen mathematischen Logik wieder aufgegriffen wurden, nur noch ein Teil fur Aussagen uber Quantenphanomene richtig bleibtl).2)3 9, 4).Einige dieser Regeln verlieren ihre Gultigkeit.Derjenige Teil der logischen Regeln, der auch noch in der Quantenphysik gilt, wird gewohnlich als Quantenlogik bezeichnet.Es handelt sich also bei der Quantenlogik nicht um eine ,,neue" Logik, die im Bereich des Atomaren gilt, sondern um eine restriktive Logik, die weniger enthalt als die uns bekannte klassische Aussagenlogik.Der heutige Physiker ist im allgemeinen leicht geneigt zu glauben, daR irgendeine Disziplin, die in der Philosophie vergangener Jahrhunderte fur wahr gehalten wurde, durch die moderne Physik widerlegt sei.Das kommt einerseits daher, daR viele Physiker empiristisch denken, d. h. in diesem Falle, daB sie geneigt sind zu glauben, man konne alle auf die Erfahrung bezogenen Behauptungen auch durch Erfahrungen -z.B. der Atomphysikwiderlegen. Anderseits sprechen fur eine solche Einstellung die schlechten Erfahrungen, die die Physik mit Begriffen und Satzen gemacht hat, die in der philosophischen Tradition uberliefert wurden.Die Verknupfung von Raum und Zeit in der Relativitatstheorie oder das Versagen des Kausalgesetzes in der Quantentheorie gehoren zu diesem Problemkreis.Man wird deshalb versucht sein, auch eine Restriktion der Aussagenlogik in der modernen Atomphysik einfach als eine neue Erfahrung hinzunehmen.Dies ist jedoch nicht ohne weiteres moglich.Die groRte Schwierigkeit, die sich einer solchen Einstellung entgegenstellt, ist die Tatsache, daB die klassische Aussagenlogik wahr ist.Und zwar ist die Aussagenlogik keineswegs in einem empirischen Sinne wahr, sondern sie ist wahr durch das unmittelbare Einleuchten (die Evidenz) ihrer Satze, deren Gultigkeit somit auf keinen bestimmten Gegenstandsbereich eingeschrankt ist.Wie das im Einzelnen 2x1 verstehen ist, sol1 im ersten Teil auseinandergesetzt werden.Nehmen wir zunachst einmal die Evidenz der klassischen Logik als gegeben an, so entsteht die Frage, wie es moglich sein kann, daR fur die Aussagen der Quantenphysik nur eine restriktive Logik, die Quantenlogik, gilt.

Physikalische Blätter•Jan 1, 1962•0 citations

The Science of Witnessing: A quantum approach

Kazuma Matoba

In diesem Beitrag werden die Merkmale der sogenannten Zeugenschaft, die im Kontext des konventionellen psychologischen und philosophischen Diskurses oft schwer zu verstehen sind, im Rahmen einer quantenmechanischen Theorieperspektive untersucht, die das grundlegende Verhalten von Materie und Energie beschreibt. Der Autor stellt die These vor, dass Aspekte der Quantenmechanik und einer neu konzipierten sozialen Quantentheorie für die Analyse und Interpretation von Zeugenschaft wesentlich sind. Dabei stellt der vorliegende Ansatz selbst ein gutes Beispiel dar für die interdisziplinäre Forschung zwischen Quantenphysik, Metaphysik und dem intraaktiven Dialog zwischen wissenschaftlicher Theorie und kontemplativer Praxis. Ziel dieser Forschung und dieses Dialogs ist es, eine ‚Wissenschaft des Bezeugens‘ zu etablieren, um den Akt des Bezeugens als Werkzeug für transformative Bildung in die Welt zu bringen.

Zeitschrift Bewusstseinswissenschaften. Transpersonale Psychologie und Psychotherapie•Dec 1, 2021•0 citations

Von der Physik zur Metaphysik

Werner Vogd

Die Quantentheorie stellt eines der anspruchsvollsten und erfolgreichsten Theorieprojekte der Menschheitsgeschichte dar. Sie ist eine, wenn nicht die Universaltheorie der Physik. Die Geschichte ihrer Deutung und die Auseinandersetzung um ihre Interpretation berühren jedoch weitaus mehr als nur das Feld der theoretischen Physik. Eine solche Theorieanlage zerstört ontologische Gewissheiten. Sie stellt den Beobachter in Frage und sie lässt uns ahnen, was zu erwarten ist, wenn wir uns in anderen Feldern mit komplexen Phänomenen beschäftigen, die mit der Beobachterproblematik infiziert sind. Als transklassische Physik ist die Quantentheorie gleichsam auf »Welten ohne Grund« gebaut und enttäuscht damit die Hoffnung, sich Sinnfragen durch die Physik oder Mathematik entledigen zu können. Homolog zu den Hochformen mystischer Reflexion kann uns die Auseinandersetzung um die Deutung der Quantenphysik allerdings eine Ahnung vermitteln, was das Geheimnis der konditionierten Koproduktion von System und Umwelt – Reflexion und Welt – für uns bedeuten kann, und uns möglicherweise dabei helfen, in Welten ohne Grund heimisch zu werden. Hierbei wird deutlich, dass hochgetriebene Theorie, die sich in ihren Abstraktionen in hohem Maße von der lebensweltlichen Wirklichkeit löst, nicht im Widerspruch zur Möglichkeit von Welterkenntnis steht. Im Gegenteil, erst ein hinreichend elaboriertes und mit eigenen, intern konditionierten Konsistenzzwängen ausgestattetes Theoriegebilde stellt die Bedingung zur Möglichkeit von Reflexion und Erkenntnisgewinnung dar.

Velbrück Wissenschaft eBooks•Jan 1, 2014•0 citations

Determinismus und Indeterminismus in der modernen Physik. Historische und systematische Studien zum Kausalproblem

Ernst Cassirer

Die erste systematische Schrift, die Ernst Cassirer veröffentlicht hat, ist das Buch "Substanzbegriff und Funktionsbegriff" von 1910, in dem er sich mit dem Problem der mathematischen und naturwissenschaftlichen Begriffsbildung auseinandersetzt. Als "Faktum" legte er den damaligen Stand der Wissenschaft zugrunde, der das klassische System der Physik noch als unbestritten galt. Mit den Fortschritten der Wissenschaften, in diesem Fall der Entwicklung der theoretischen Physik, muß die Erkenntniskritik Schritt halten. Und so drängten sich im Laufe der Zeit neue Fragen auf, die der philosophischen Behandlung bedurften. Aus dieser Motivation heraus veröffentlichte Cassirer 1920 die Schrift "Zur Einsteinschen Relativitätstheorie" (ECW Bd. 10), in der er sich mit der Um- und Neubildung der modernen Physik durch die allgemeine und spezielle Relativitätstheorie beschäftigt. Um dem philosophischen Ideal der methodischen Analyse und erkenntniskritischen Grundlegung gerecht zu werden, ergab sich jedoch die Notwendigkeit, auch die Auswirkungen der Quantentheorie in die Reflexion mit einzubeziehen. Den historischen Ursachen und systematischen Gründen der Sprengkraft, die die Quantentheorie auf dem ganzen Gebiet der Physik entwickelte, geht Cassirer in der Schrift "Determinismus und Indeterminismus in der modernen Physik" nach, die er 1936 abschließt.

Felix Meiner Verlag eBooks•Jan 1, 2004•44 citations

Realismus in der Philosophie und Realismus in der Physik

Hilary Putnam

Abstract Der folgende Aufsatz ist ein Beitrag zur Interpretation der Quantenmechanik. In ihm wird der Versuch unternommen, einer unter Quantenphysikern weit verbreiteten positivistisch geprägten ‚Beruhigungsphilosophie’︁ (dies ist ein Ausdruck Einsteins), die wissenschaftliche Theorien nur als Instrumente zur Vorhersage von Beobachtbarem ansieht und sich auf diese Weise den Umgang mit der Quantentheorie in gewisser Hinsicht leicht macht, eine ambitioniertere Deutung der Quantentheorie entgegenzusetzen. Nach einer längeren, rein philosophischen Einführung zeigt der Autor, wie einige zentrale quantenmechanische Interpretationsprobleme — vor allem das Problem der Nichtlokalität — im Sinne seines „internen Realismus”︁ behandelt werden können. Die physikalischen Grundlagen dieser Diskussion sind z. B. im Aufsatz „Nonseparability and the Tentative Descriptions of Reality”︁ von B. d'Espagnat, Physics Reports 110, No. 4 (1984) 201–264, ausführlich beschrieben. Ferner sei auf die Beiträge von B. S. De‐Witt „Quantum Mechanics and Reality”︁, Physics today September 1970, S. 30 und April 1971, S. 36 sowie von W. Mücken‐heim „Das EPR‐Paradoxon und die Unbestimmtheit der Realität”︁, Physikalische Blätter Oktober 1983, S. 331 hingewiesen. Hilary Putnam ist einer der renommiertesten und scharfsinnigsten amerikanischen Philosophen der Gegenwart. Er bemüht sich zur Zeit darum, eine umfassende und konsistente Position des philosophischen Realismus zu entwickeln, die er „interner Realismus”︁ nennt.

Physikalische Blätter•Apr 1, 1986•2 citations

Über den Glauben der Naturwissenschaftler

Erich Ulrich

Den Physikern ist das Problem der Deutung der Phanomene der Mikrophysik durch die der Makrophysik entlehnten Bilder der Welle und Korpuskel wohlbekannt.Es gibt hier logisch vier Moglichkeiten, wobei auf die Feinheiten, die durch die Unbestimmtheitsrelation in die Deutung hineinkommen, nicht eingegangen werden sol1 (Tab. 1) : (A) man deutet diese Phanomene durch die Bilder Welle und Korpuskel (de Broglie')), (B) man halt die Welle fur das Primare (Schrodinger*)), ( C ) man halt die Korpuskel fur das Primare (Born, Heisenberg, Bohr, Diracs)), und schliefilich besteht (D) noch die Moglichkeit, Welle und Korpuskel als Erscheinungsformen eines Gebildes anzusehen, das diese beiden enthalt.Weiierhin ein Beispiel aus der Philosophie.Das Korper-Seele-bzw.Materie-Geist-Problem ergibt ein ahnliches logisches Schema: (A) Dualismus, (B) Idealismus, ( C ) Materialismus und (D) Monismus.Ein solches logisches Schema ergeben auch die Polaritaten Religion und Natunvissenschaft : Man kann (A) Religion und Naturwissenschaft als voneinander unabhangig ansehen, wenn sie sich auf (vorausgesetzte) verschiedene Seiten der Wirklichkeit (etwa auf die geistige oder materielle Seite) beziehen, d. h.die Religion auf das Seelische einschlierjlich der Welt der 1) L. d e Broglte, Phys.

Physikalische Blätter•Feb 1, 1971•2 citations
Der weithin akzeptierte Indeterminismus in den Mikroprozessen der Quantentheorie wurde oft als mögliche Schnittstelle zwischen der von Naturgesetzen bestimmten Erfahrungswelt und einem aktiv in der Welt wirkenden Schöpfergott diskutiert. Die Quantum-Divine-Action-Modelle, die vor allem von christlichen Naturwissenschaftlern und Religionsphilosophen entwickelt wurden, beruhen auf dieser Idee. In diesem Artikel wird die islamisch geprägte Naturphilosophie des muslimischen Physikers Basil Altaie untersucht, die ebenfalls den Quantum-Divine-Action-Modellen zugeordnet werden kann. Altaie stützt sich dabei auf die atomistische Metaphysik der islamischen Kalām-Theologen und präsentiert eine neue Interpretation dieser Metaphysik im Licht der modernen Quantentheorie. Das Ergebnis ist eine Synthese aus Kalām-Theologie und Philosophie der Quantentheorie, die in diesem Artikel unter verschiedenen Gesichtspunkten untersucht wird.
Die Quantentheorie und die Theorie der quantenmechanischen Messung ermoglichen es, Aussagen uber quantenphysikalische Systeme (Atome, Kerne, Elementarteilchen) zu machen, die an diesen Systemen experimentell nachgepruft werden konnen.Beispiele fur solche Aussagen sind z.B. ,,das Elektron hat den Impuls p" oder ,,der Atomkern hat einen Drehimpuls J".Wie fur die Aussagen aller Wissensgebiete wird man zunachst auch fur diese Aussagen erwarten, daR sie den Regeln der Logik gehorchen.Tatsachlich ist das aber nicht der Fall.Es hat sich namlich gezeigt, daB von den Regeln der Aussagenlogik, die zuerst von den Stoikern aufgestellt wurden, spater im Mittelalter und in der modernen mathematischen Logik wieder aufgegriffen wurden, nur noch ein Teil fur Aussagen uber Quantenphanomene richtig bleibtl).2)3 9, 4).Einige dieser Regeln verlieren ihre Gultigkeit.Derjenige Teil der logischen Regeln, der auch noch in der Quantenphysik gilt, wird gewohnlich als Quantenlogik bezeichnet.Es handelt sich also bei der Quantenlogik nicht um eine ,,neue" Logik, die im Bereich des Atomaren gilt, sondern um eine restriktive Logik, die weniger enthalt als die uns bekannte klassische Aussagenlogik.Der heutige Physiker ist im allgemeinen leicht geneigt zu glauben, daR irgendeine Disziplin, die in der Philosophie vergangener Jahrhunderte fur wahr gehalten wurde, durch die moderne Physik widerlegt sei.Das kommt einerseits daher, daR viele Physiker empiristisch denken, d. h. in diesem Falle, daB sie geneigt sind zu glauben, man konne alle auf die Erfahrung bezogenen Behauptungen auch durch Erfahrungen -z.B. der Atomphysikwiderlegen. Anderseits sprechen fur eine solche Einstellung die schlechten Erfahrungen, die die Physik mit Begriffen und Satzen gemacht hat, die in der philosophischen Tradition uberliefert wurden.Die Verknupfung von Raum und Zeit in der Relativitatstheorie oder das Versagen des Kausalgesetzes in der Quantentheorie gehoren zu diesem Problemkreis.Man wird deshalb versucht sein, auch eine Restriktion der Aussagenlogik in der modernen Atomphysik einfach als eine neue Erfahrung hinzunehmen.Dies ist jedoch nicht ohne weiteres moglich.Die groRte Schwierigkeit, die sich einer solchen Einstellung entgegenstellt, ist die Tatsache, daB die klassische Aussagenlogik wahr ist.Und zwar ist die Aussagenlogik keineswegs in einem empirischen Sinne wahr, sondern sie ist wahr durch das unmittelbare Einleuchten (die Evidenz) ihrer Satze, deren Gultigkeit somit auf keinen bestimmten Gegenstandsbereich eingeschrankt ist.Wie das im Einzelnen 2x1 verstehen ist, sol1 im ersten Teil auseinandergesetzt werden.Nehmen wir zunachst einmal die Evidenz der klassischen Logik als gegeben an, so entsteht die Frage, wie es moglich sein kann, daR fur die Aussagen der Quantenphysik nur eine restriktive Logik, die Quantenlogik, gilt.
In diesem Beitrag werden die Merkmale der sogenannten Zeugenschaft, die im Kontext des konventionellen psychologischen und philosophischen Diskurses oft schwer zu verstehen sind, im Rahmen einer quantenmechanischen Theorieperspektive untersucht, die das grundlegende Verhalten von Materie und Energie beschreibt. Der Autor stellt die These vor, dass Aspekte der Quantenmechanik und einer neu konzipierten sozialen Quantentheorie für die Analyse und Interpretation von Zeugenschaft wesentlich sind. Dabei stellt der vorliegende Ansatz selbst ein gutes Beispiel dar für die interdisziplinäre Forschung zwischen Quantenphysik, Metaphysik und dem intraaktiven Dialog zwischen wissenschaftlicher Theorie und kontemplativer Praxis. Ziel dieser Forschung und dieses Dialogs ist es, eine ‚Wissenschaft des Bezeugens‘ zu etablieren, um den Akt des Bezeugens als Werkzeug für transformative Bildung in die Welt zu bringen.
Die Quantentheorie stellt eines der anspruchsvollsten und erfolgreichsten Theorieprojekte der Menschheitsgeschichte dar. Sie ist eine, wenn nicht die Universaltheorie der Physik. Die Geschichte ihrer Deutung und die Auseinandersetzung um ihre Interpretation berühren jedoch weitaus mehr als nur das Feld der theoretischen Physik. Eine solche Theorieanlage zerstört ontologische Gewissheiten. Sie stellt den Beobachter in Frage und sie lässt uns ahnen, was zu erwarten ist, wenn wir uns in anderen Feldern mit komplexen Phänomenen beschäftigen, die mit der Beobachterproblematik infiziert sind. Als transklassische Physik ist die Quantentheorie gleichsam auf »Welten ohne Grund« gebaut und enttäuscht damit die Hoffnung, sich Sinnfragen durch die Physik oder Mathematik entledigen zu können. Homolog zu den Hochformen mystischer Reflexion kann uns die Auseinandersetzung um die Deutung der Quantenphysik allerdings eine Ahnung vermitteln, was das Geheimnis der konditionierten Koproduktion von System und Umwelt – Reflexion und Welt – für uns bedeuten kann, und uns möglicherweise dabei helfen, in Welten ohne Grund heimisch zu werden. Hierbei wird deutlich, dass hochgetriebene Theorie, die sich in ihren Abstraktionen in hohem Maße von der lebensweltlichen Wirklichkeit löst, nicht im Widerspruch zur Möglichkeit von Welterkenntnis steht. Im Gegenteil, erst ein hinreichend elaboriertes und mit eigenen, intern konditionierten Konsistenzzwängen ausgestattetes Theoriegebilde stellt die Bedingung zur Möglichkeit von Reflexion und Erkenntnisgewinnung dar.
Die erste systematische Schrift, die Ernst Cassirer veröffentlicht hat, ist das Buch "Substanzbegriff und Funktionsbegriff" von 1910, in dem er sich mit dem Problem der mathematischen und naturwissenschaftlichen Begriffsbildung auseinandersetzt. Als "Faktum" legte er den damaligen Stand der Wissenschaft zugrunde, der das klassische System der Physik noch als unbestritten galt. Mit den Fortschritten der Wissenschaften, in diesem Fall der Entwicklung der theoretischen Physik, muß die Erkenntniskritik Schritt halten. Und so drängten sich im Laufe der Zeit neue Fragen auf, die der philosophischen Behandlung bedurften. Aus dieser Motivation heraus veröffentlichte Cassirer 1920 die Schrift "Zur Einsteinschen Relativitätstheorie" (ECW Bd. 10), in der er sich mit der Um- und Neubildung der modernen Physik durch die allgemeine und spezielle Relativitätstheorie beschäftigt. Um dem philosophischen Ideal der methodischen Analyse und erkenntniskritischen Grundlegung gerecht zu werden, ergab sich jedoch die Notwendigkeit, auch die Auswirkungen der Quantentheorie in die Reflexion mit einzubeziehen. Den historischen Ursachen und systematischen Gründen der Sprengkraft, die die Quantentheorie auf dem ganzen Gebiet der Physik entwickelte, geht Cassirer in der Schrift "Determinismus und Indeterminismus in der modernen Physik" nach, die er 1936 abschließt.
Abstract Der folgende Aufsatz ist ein Beitrag zur Interpretation der Quantenmechanik. In ihm wird der Versuch unternommen, einer unter Quantenphysikern weit verbreiteten positivistisch geprägten ‚Beruhigungsphilosophie’︁ (dies ist ein Ausdruck Einsteins), die wissenschaftliche Theorien nur als Instrumente zur Vorhersage von Beobachtbarem ansieht und sich auf diese Weise den Umgang mit der Quantentheorie in gewisser Hinsicht leicht macht, eine ambitioniertere Deutung der Quantentheorie entgegenzusetzen. Nach einer längeren, rein philosophischen Einführung zeigt der Autor, wie einige zentrale quantenmechanische Interpretationsprobleme — vor allem das Problem der Nichtlokalität — im Sinne seines „internen Realismus”︁ behandelt werden können. Die physikalischen Grundlagen dieser Diskussion sind z. B. im Aufsatz „Nonseparability and the Tentative Descriptions of Reality”︁ von B. d'Espagnat, Physics Reports 110, No. 4 (1984) 201–264, ausführlich beschrieben. Ferner sei auf die Beiträge von B. S. De‐Witt „Quantum Mechanics and Reality”︁, Physics today September 1970, S. 30 und April 1971, S. 36 sowie von W. Mücken‐heim „Das EPR‐Paradoxon und die Unbestimmtheit der Realität”︁, Physikalische Blätter Oktober 1983, S. 331 hingewiesen. Hilary Putnam ist einer der renommiertesten und scharfsinnigsten amerikanischen Philosophen der Gegenwart. Er bemüht sich zur Zeit darum, eine umfassende und konsistente Position des philosophischen Realismus zu entwickeln, die er „interner Realismus”︁ nennt.
Den Physikern ist das Problem der Deutung der Phanomene der Mikrophysik durch die der Makrophysik entlehnten Bilder der Welle und Korpuskel wohlbekannt.Es gibt hier logisch vier Moglichkeiten, wobei auf die Feinheiten, die durch die Unbestimmtheitsrelation in die Deutung hineinkommen, nicht eingegangen werden sol1 (Tab. 1) : (A) man deutet diese Phanomene durch die Bilder Welle und Korpuskel (de Broglie')), (B) man halt die Welle fur das Primare (Schrodinger*)), ( C ) man halt die Korpuskel fur das Primare (Born, Heisenberg, Bohr, Diracs)), und schliefilich besteht (D) noch die Moglichkeit, Welle und Korpuskel als Erscheinungsformen eines Gebildes anzusehen, das diese beiden enthalt.Weiierhin ein Beispiel aus der Philosophie.Das Korper-Seele-bzw.Materie-Geist-Problem ergibt ein ahnliches logisches Schema: (A) Dualismus, (B) Idealismus, ( C ) Materialismus und (D) Monismus.Ein solches logisches Schema ergeben auch die Polaritaten Religion und Natunvissenschaft : Man kann (A) Religion und Naturwissenschaft als voneinander unabhangig ansehen, wenn sie sich auf (vorausgesetzte) verschiedene Seiten der Wirklichkeit (etwa auf die geistige oder materielle Seite) beziehen, d. h.die Religion auf das Seelische einschlierjlich der Welt der 1) L. d e Broglte, Phys.