Gibt es den Geist oder nur das Gehirn? Der Band entfaltet mit den Mitteln der Quantentheorie eine originelle naturwissenschaftlich fundierte Theorie des Bewusstseins, die den blinden Flecken der modernen Neurowissenschaften begegnet.
Sind die Gedanken, die ein Mensch denkt, ebenso real wie die Nervenzellen seines Gehirns? Die heutigen Theorien der Hirnforschung und Neurobiologie erlauben keine Darstellung der Psyche, des Bewusstseins oder auch der Gedanken innerhalb der naturwissenschaftlich erfahrbaren Welt. Ralf Krüger begegnet diesem blinden Fleck mit dem »Protyposiskonzept der Quanteninformation« von Thomas und Brigitte Görnitz, einer Erweiterung der auf Carl Friedrich v. Weizsäcker zurückgehenden »Ur-Theorie«. Ausgehend von der These, dass Gedanken Quanteninformation sind, können so Zusammenhänge zur Gestaltpsychologie, zu Karl Poppers Welt 3 und nicht zuletzt zur praktischen Medizin aufgezeigt werden.
In diesem zentralen Kapitel wird gezeigt, dass das Unbewusste und darauf aufbauend das Bewusstsein mit seinen Gedanken naturwissenschaftliche Realitäten sind. Deshalb gehen davon auch reale Wirkungen aus. Unser Bewusstsein ist etwas anderes als unser Gehirn, obwohl beide, solange wir leben, eine unauflösliche Einheit bilden. Bewusstsein ist aus naturwissenschaftlicher Sicht diejenige Form von Quanteninformation, die sich selbst erlebt und kennt. Das Bewusstsein beruht auf der unauflösbaren Einheit von Hard- und Software in der biologischen Informationsverarbeitung. Es ermöglicht, Informationsmodelle zu erzeugen und anhand der Modelle des Körpers und der Umwelt auch Handlungen zu planen. Mit den quantischen Eigenschaften der Psyche kann u.a. die Bindung der Wahrnehmungen aus den verschiedenen Sinnesorganen zu einem Objekt erklärt werden. Die Quantentheorie liefert die objektiven Aussagen über die universellen Quantenstrukturen, welche die Existenz von Bewusstsein ermöglichen, und sie zeigt weiterhin, warum die Inhalte eines jeden individuellen Bewusstseins zwangsläufig subjektiv sind. Diese Eigenschaft des „Privat-Seins“, des subjektiven Empfindens, wird üblicherweise mit dem Begriff der „Qualia“ gekennzeichnet. Spezielle Bewusstseinszustände wie u.a. Traum, Flow und Meditation, werden in das naturwissenschaftliche Verstehen einbezogen.
Wenn heutzutage eine Gesellschaft von Physikern zusammenkommt, um Fragen der theoretischen Physik zu diskutieren, so wird das Gespräch früher oder später eine ganz bestimmte Wendung nehmen. Vielleicht haben Sie die Gesellschaft verlassen, als gerade die eigenen Spezialfragen oder die neuesten physikalischen Entdeckungen besprochen wurden; aber wenn Sie nach einer Stunde zurückkommen, können Sie jede Wette eingehen, daß man inzwischen bei einem alles überwuchernden Gesprächsthema angelangt sein wird: bei dem verzweifelten Stand der eigenen Unwissenheit. Und das ist keine Phrase. Es ist nicht einmal wissenschaftliche Bescheidenheit. Im Gegenteil, häufig ist die Einstellung eher ein naives Erstaunen darüber, daß die Natur ihr letztes Geheimnis so erfolgreich vor dem scharfsinnigen menschlichen Intellekt hat verbergen können. Die Sache liegt einfach so, daß wir auf dem Wege des Fortschritts urn eine Ecke gelangt sind, und nun steht plötzlich unsere Unwissenheit unverhüllt vor uns, erschreckend und unabweisbar.
Dieses Kapitel bietet wie das vorhergehende einen Bericht über die Anstrengungen, die gemacht wurden, um die Quantenmechanik in einer rein „realistischen“ Form zu verstehen, d. h. unter Beibehaltung des Prinzips, daß eine physikalische Realität „existiert“, und zwar auch dann, wenn es kein mit Bewußtsein behaftetes Wesen gibt, das befähigt wäre, sie durch seine Sinne zu erfassen. Wir werden weiterhin unsere Überzeugung bewahren, daß diese physikalische Realität bekannt sein kann, und daß es gerade das Ziel der Wissenschaft sein muß, zu beschreiben, was sie in Wirklichkeit ausmacht. Diesen beiden Annahmen fügen wir in expliziter Form eine dritte hinzu, die offensichtlich keine Folgerung aus den beiden ersten ist und die wir als „monistische“ oder „unirealistische“ Hypothese bezeichnen: Es gibt in unserer Welt nur eine einzige Realität, oder anders ausgedrückt, alles was existiert, ist rein physikalischer Natur.