Die Quantenmechanik, die zwischen 1900 und 1930 entwickelte Theorie mikrophysikalischer Objekte, gilt mit Recht als das Fundament der modernen Physik. Zugleich hat sie eine radikale Umwälzung unseres wissenschaftlichen Weltbildes bewirkt - sicher vergleichbar mit der Evolutionstheorie oder der Relativitätstheorie. Und doch ist die Quantenmechanik bis heute eigentlich unverstanden und gibt ungelöste Rätsel auf. Niels Bohr und Albert Einstein, selbst an ihrer theoretischen Entwicklung beteiligt, führten in den 20er und 30er Jahren eine intensive Diskussion um das angemessene Verständnis der neuen Theorie - eine der wissenschaftlich wie philosophisch bedeutsamsten Debatten des 20. Jahrhunderts.
Das weltweite Interesse an der Quantenmechanik, wie man die in der Matrizen- und Wellenmechanik formulierte Atomtheorie meist übergreifend nannte, war mehr als nur eine flüchtige Begeisterung für eine wissenschaftliche Modeerscheinung. Die Quantenmechanik markierte einen Wendepunkt in der Geschichte der Physik. Die in der «Kopenhagener Deutung» propagierte Interpretation der atomaren Vorgänge rührte an den Grundfesten des Denkens. Das Naturgeschehen erschien in letzter Konsequenz akausal und von einer grundsätzlichen Unbestimmtheit geprägt, die dem Betrachter immer nur Teilaspekte der Wahrheit offenbarte. Die Atomphysik rückte ins Zentrum naturphilosophischer Debatten: Einsteins «Gott würfelt nicht» und die Bohrsche «Komplementaritäts-philosophie» markierten die beiden Extreme eines neuen Grundlagenstreits unter den Physikern, der gegen Ende der 1920er Jahre begann und bis heute keine befriedigende Lösung gefunden hat.1 Seit diesen Auseinandersetzungen um die Interpretation der Quantenmechanik gehört zum Flair der modernen Physiker auch der Hauch des Philosophischen.