Wenn heutzutage eine Gesellschaft von Physikern zusammenkommt, um Fragen der theoretischen Physik zu diskutieren, so wird das Gespräch früher oder später eine ganz bestimmte Wendung nehmen. Vielleicht haben Sie die Gesellschaft verlassen, als gerade die eigenen Spezialfragen oder die neuesten physikalischen Entdeckungen besprochen wurden; aber wenn Sie nach einer Stunde zurückkommen, können Sie jede Wette eingehen, daß man inzwischen bei einem alles überwuchernden Gesprächsthema angelangt sein wird: bei dem verzweifelten Stand der eigenen Unwissenheit. Und das ist keine Phrase. Es ist nicht einmal wissenschaftliche Bescheidenheit. Im Gegenteil, häufig ist die Einstellung eher ein naives Erstaunen darüber, daß die Natur ihr letztes Geheimnis so erfolgreich vor dem scharfsinnigen menschlichen Intellekt hat verbergen können. Die Sache liegt einfach so, daß wir auf dem Wege des Fortschritts urn eine Ecke gelangt sind, und nun steht plötzlich unsere Unwissenheit unverhüllt vor uns, erschreckend und unabweisbar.
Wir wollen jetzt, nachdem wir das traditionelle wissenschaftliche Weltbild und seine Auswirkungen auf unser heutiges Leben betrachtet haben, die Entwicklung verfolgen, welche die Wissenschaft seit Beginn dieses Jahrhunderts genommen hat. Dabei werden wir erneut eine eigenartige Entdeckung machen, daß nämlich diejenige Wissenschaft, die alsdas Modell exakter Naturwissenschaftlichkeit gilt, zugleich die Grundlage für tiefgehende erkenntnistheoretische Überlegungen lieferte. Interessanterweise war es also wiederum die Physik, von der, nachdem sie schon das Modell der klassischen Wissenschaft geliefert hatte, nun entscheidende Anstöße in Richtung eines neuen Wissenschafts- und Weltbildes ausgingen.