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Physikalische Blätter

Aus „Erinnerungen und Gedanken”

Max Born

Published Jul 1, 1969• 1 citation
Publisher

Abstract

Gleich von Anfang an machte mir die Forschung groBen Spa& und bis auf den heutigen Tag ist sie mir eine Freude geblieben.Dieses Vergnugen gleicht ein ganz klein wenig jenem, das jeder empfindet, der Kreuzwortratsel lost.Aber es ist doch noch vie1 mehr, vielleicht sogar mehr als die Freude an schopferischer Arbeit in anderen Berufen, die Kunst ausgenommen.Es besteht in dem Gefuhl, in das Mysterium der Natur einzudringen, ein Geheimnis der Schopfung zu luften und etwa Sinn und Ordnung in einen Teil der chaotischen Welt zu bringen.Dies ist eine philosophische Befriedigung.Ich habe mich bemuht, Philosophen aller Geschichtsepochen zu lesen, und viele erleuchtende Gedanken gefunden, doch keinen standigen Fortschritt zu tieferer Erkenntnis und eingehenderem Verstandnis.Die Naturwissenschaft hingegen vermittelt mir das Gefuhl eines bestandigen Fortschritts: ich bin uberzeugt, daB die theoretische Physik tatsachlich Philosophie ist.Sie hat grundlegende Begriffe umgesturzt, zum Beispiel uber Raum und Zeit (Relativitat), uber Kausalitat (Quantentheorie) und uber Stoff und Materie (Atomistik).Sie hat uns neue Denkmethoden gelehrt (Komplementaritat), *) Die ,,Recollections of Max Born", erschienen im Bull. of Atomic Scientists 21, No. 7, 8 u. 9 (1965), wurden in deutscher Obersetzung in Universitas 23. 249 (1968) Wiedergegeben und sind in das Buch von Hedwig und Max Born ,,Der Luxus des Gewissens" aufgenommen worden (vgl.Phys.B1. 25, 235, 1969).Das letzte der drei Kapitel, das ,,Oberlegungen" Uberschrieben ist, hat in der deutschen Uffentlichkeit Aufmerksamkeit erregt.Hier mBgen nun die entscheidenden letzten Seiten der Bomschen AusfUhrungen unter Hinweis auf das neue Buch wiedergegeben werden.Wir danken Herrn Dr. B.

DOI
10.1002/phbl.19690250701

Related papers

Die Quantentheorie

Arthur Stanley Eddington

Wenn heutzutage eine Gesellschaft von Physikern zusammenkommt, um Fragen der theoretischen Physik zu diskutieren, so wird das Gespräch früher oder später eine ganz bestimmte Wendung nehmen. Vielleicht haben Sie die Gesellschaft verlassen, als gerade die eigenen Spezialfragen oder die neuesten physikalischen Entdeckungen besprochen wurden; aber wenn Sie nach einer Stunde zurückkommen, können Sie jede Wette eingehen, daß man inzwischen bei einem alles überwuchernden Gesprächsthema angelangt sein wird: bei dem verzweifelten Stand der eigenen Unwissenheit. Und das ist keine Phrase. Es ist nicht einmal wissenschaftliche Bescheidenheit. Im Gegenteil, häufig ist die Einstellung eher ein naives Erstaunen darüber, daß die Natur ihr letztes Geheimnis so erfolgreich vor dem scharfsinnigen menschlichen Intellekt hat verbergen können. Die Sache liegt einfach so, daß wir auf dem Wege des Fortschritts urn eine Ecke gelangt sind, und nun steht plötzlich unsere Unwissenheit unverhüllt vor uns, erschreckend und unabweisbar.

Vieweg+Teubner eBooks•Jan 1, 1931•0 citations

Die philosophische Bedeutung der Idee der Komplementarität

Wolfgang Ernst Friederich Pauli

Die Veröffentlichung dieses Vortrages erfolgt in der Hoffnung, mit diesem kleinen Beitrag diejenigen größeren Bestrebungen zu fördern, welche im allgemeinen das Ziel verfolgen, die verschiedenen Teildisziplinen, in welche unsere Geistigkeit auseinandergefallen ist, einander wieder näherzubringen. Die Abspaltung der Naturwissenschaften und der Mathematik als selbständige Teildisziplinen aus einer ursprünglich einheitlichen, aber vorwissenschaftlichen Naturphilosophie, welche im 17. Jahrhundert einsetzte, war zwar eine notwendige Bedingung für die weitere geistige Entwicklung des Abendlandes. Aber heute scheinen mir die Voraussetzungen für ein erneutes Einverständnis der Physiker und der Philosophen über die erkenntnistheoretischen Grundlagen der wissenschaftlichen Naturbeschreibung erfüllt zu sein. Die Entwicklung der Atomistik und Quantentheorie seit 1910 hat nämlich dazu geführt, daß die Physik allmählich gezwungen war, ihren stolzen Anspruch, im Prinzip die ganze Welt verstehen zu können, aufzugeben. Alle Physiker, welche die Entwicklung bejahen, die in der systematischen Konstruktion des mathematischen Formalismus der Wellenmechanik im Jahre 1927 einen vorläufigen Abschluß fand, müssen zugeben, daß wir heute zwar Naturwissenschaften, aber kein naturwissenschaftliches Weltbild mehr besitzen. Eben dieser Umstand könnte aber als Korrektur der früheren Einseitigkeit den Keim eines Fortschrittes in Richtung auf ein einheitliches Gesamtweltbild in sich tragen, in welchem die Naturwissenschaften nur ein Teil sind. Hierin möchte ich die allgemeinere Bedeutung der Idee der Komplementarität erblicken, welche dank dem dänischen Physiker Niels Bohr aus dem Boden der Physik gewachsen ist.

Vieweg+Teubner eBooks•Jan 1, 1984•0 citations

Göttinger Nachrichten Sonderausgabe

A m 11.Dezember 1932 erschien anlaBlich des 50.Geburtstages von Max Born eine Fest-und Sondernummer der bekannten ,,Gottinger Nachrichten".Diese Nummer war unter Mitwirkung der ,,Gottinger Gesellschaft fur komische Physik" von Johann Ertel herausgegeben worden.Nachdem wir schon fruher Teile der Festschrift ohne Befragung von Autoren, Redaktion und Verlag nach ihrem Einverstandnis wiedergegeben hatten, seien nun anla5lich der 30.Wiederkehr des Ausgabetages der Festschrift wiederum einige Beitrage aus den vergilbten Blattern entnommen.Es handelt sich um die tiefschurfenden Arbeiten von C. F. von Weizsacker, V. WeiBkopf, G. Gamow, V. Fock und W. Heisenberg.Infolge besonderer Umstande konnten die am 11.Dezember 1932 in einem Born-Festkolloquium vorgetragenen Arbeiten 1933 nicht im Druck erscheinen.Sie waren lange Jahre verschollen und sind erst kurzlich wieder aufgefunden worden.Wir hoffen nicht nur, daR die Herrn Born gewidmeten Untersuchungen unsere Leser interessieren werden, sondern hoffen auf Verzeihung bei den Autoren wegen unserer redaktionellen Selbstandigkeit.Wir wiinschen uns Zustimmung und stilles Vergnugen bei dem Jubilar, derals gro5er Physiker wohlbekanntauch als Nachdichter nicht nur die Edinburgher erfreut hat, wenn er Wilhelm Busch den Englandern nahe bringt.Hier noch die Ubertragung eines Verses aus dem Englischen ins Deutsche, eines Verses, der ein sehr ernstes Anliegen von Max Born in eine liebenswurdige Form kleidet: Und nun die ausgewahlten Beitrage der ,,Gottinger Nachrichten" vom 11.Dezember 1932, zu deren vollem Verstandnis es an einigen Stellen der intimen Kenntnis des Gottinger Institutslebens vor einem halben Jahrhundert mangelt.Eine Anwendung der Theorie der Kristallgitter BunsenstraBe 0,02940 Konigsallee auf Fragen der Bevolkerungsstatistik 0,00161

Physikalische Blätter•Dec 1, 1962•0 citations

Die Debatte um die Quantentheorie

F. Selleri

Die Debatte tiber die Grundlagen der Quantentheorie, die auf eine mehr als fiinfzigjiihrige Tradition zurtickblickt, war in zwei Perioden besonders intensiv, niimlich unmittelbar nach der Begrtindung der Quantentheorie und wiederum in den letzten Jahren. An die Frtihzeit der Quantenphysik erinnerte Max Born in seiner Rede, die er anliiBlich der Verleihung des Nobelpreises im Jahre 1954 hielt. Er beschrieb die tiefgreifende Meinungsverschiedenheit, die die bertihmtesten Quantentheoretiker in 1 zwei Lager schied: Wenn ich sagte, die Physiker hiitten die damals von uns entwickelte Denkweise angenommen, so war ich nicht ganz korrekt: es gibt ein paar sehr bemerkenswerte Ausnahmen, und zwar gerade unter den Miinnern, die am meisten zum Aufbau der Quantentheorie beigetragen haben. Planck selbst gehorte zu den Skeptikern bis zu seinem Tode. Einstein, de Broglie und Schrodinger haben nicht aufgehort, das Unbefriedigende der statistischen Interpretation der Quanten- mechanik zu betonen. Dieser intellektuelle Kampf betraf einige der grundlegendsten Fragen der gesamten Naturwissenschaft: existieren die atomaren Objekte unabhangig von der menschlichen Beobachtung und, wenn dies- der Fall ist, sind sie dann dem menschlichen Verstiindnis zugiinglich? 1m groBen und ganzen kann man sagen, daB die Kopenhagener und Gottinger Schulen (Bohr, Heisenberg, Born . . . ) diese Fragen ziemlich pessimistisch beantwor- teten. Niels Bohr befiirwortete beispielsweise den Gebrauch des Wortes Phanomen nur zur Beschreibung einer Messung, die notwendigerweise eine vollstandige Be- schreibung des MeBapparates mitenthielt und damit nicht das atomare Objekt selbst, sondern seine Wechselwirkung mit dem von Menschen gewahlten Apparate betraf.

Vieweg+Teubner eBooks•Jan 1, 1983•51 citations

Hund: Geschichte der Quantentheorie/Fadini: Molekülkraftkonstanten

Werner R.G. Buckel, Werner A. P. Luck

Heft 2, von einem hervorragenden Kenner der Materie besprochen.B. L. van der Waerden schreibt unter anderem: ,,Auf jeder Seite spurt man, dab hier ein Kenner am Werk ist: einer, der die ganze Entwicklung aus nachster N i h e beobachtet und gedanklich mit vollzogen hat, von den ersten tastenden Versuchen bis zur vollen begrifflichen Krirung".Dem kann sachlich nichts hinzugefiigt werden.So sei dem Rezensenten eine personliche Bemerkung erlaubt.Ich greife einen Satz aus dem Vorwort auf.Der Autor schreibt: ,,Vielleicht versteht man die Physik besser, wenn man die Schwierigkeiten ihrer Entstehung kennt".Dies ist sicher richtig.Ich mijchte noch weitergehen und sagen, dab wir versuchen sollten, die personliche Leistung einzelner Wissenschaftler in ihrem Bemiihen um ein besseres Verstandnis der Zusammenhange zu erkennen.Gerade f i r Lehrer aller Bereiche scheint mir dies besonders wichtig.Nur wenn der Lehrende diese Leistung selbst erkennt, kann er seinen Schiilern einen Eindruck von dem menschlichen Abenteuer vermitteln, das wissenschaftliche Forschung immer war und sicherlich bleiben wird.Biicher wie die ,,Geschichte der Quantentheorie" kiinnen da eine grobe Hilfe sein.Deshalb sei dieses Buch allen denen empfohy Ien, die nicht nur wissen wollen, wo wir heute stehen, sondern auch, wie wir dorthin

Physikalische Blätter•May 1, 1977•0 citations

Die klassische Mechanik

P. Jordan

Wir wissen heute — was griechische Philosophen vorausgeahnt haben —, daß die Materie, so, wie sie greifbar und sichtbar vor uns liegt, sich zusammensetzt aus ungeheuer vielen unsichtbaren kleinen Körperchen, Atome genannt. Unser diesbezügliches Wissen ist keineswegs alt — obwohl die von den Griechen übernommene Atomvorstellung seit Anbeginn der abendländischen Naturwissenschaft als anschaulicher Leitgedanke der naturwissenschaftlichen Forschung und naturwissenschaftlichen Vorstellungsbildung eine ganz entscheidende Rolle gespielt hat. Aber erst in unserem Jahrhundert ist das, was bis dahin Vermutung, Spekulation oder der Entwicklung vorauseilende Phantasie gewesen war, zum Rang einer durch unmittelbare experimentelle Beweise erhärteten festbegründeten wissenschaftlichen Erkenntnis erhoben worden. Man kann deshalb sagen, daß unser Jahrhundert für die Physik geradezu das Jahrhundert der Atomforschung ist; und eine Darstellung des Gedankeninhalts der modernen Physik hat vor allem von dieser Erfassung und Erforschung der Atome zu berichten.

Vieweg+Teubner eBooks•Jan 1, 1949•1 citation
Gleich von Anfang an machte mir die Forschung groBen Spa& und bis auf den heutigen Tag ist sie mir eine Freude geblieben.Dieses Vergnugen gleicht ein ganz klein wenig jenem, das jeder empfindet, der Kreuzwortratsel lost.Aber es ist doch noch vie1 mehr, vielleicht sogar mehr als die Freude an schopferischer Arbeit in anderen Berufen, die Kunst ausgenommen.Es besteht in dem Gefuhl, in das Mysterium der Natur einzudringen, ein Geheimnis der Schopfung zu luften und etwa Sinn und Ordnung in einen Teil der chaotischen Welt zu bringen.Dies ist eine philosophische Befriedigung.Ich habe mich bemuht, Philosophen aller Geschichtsepochen zu lesen, und viele erleuchtende Gedanken gefunden, doch keinen standigen Fortschritt zu tieferer Erkenntnis und eingehenderem Verstandnis.Die Naturwissenschaft hingegen vermittelt mir das Gefuhl eines bestandigen Fortschritts: ich bin uberzeugt, daB die theoretische Physik tatsachlich Philosophie ist.Sie hat grundlegende Begriffe umgesturzt, zum Beispiel uber Raum und Zeit (Relativitat), uber Kausalitat (Quantentheorie) und uber Stoff und Materie (Atomistik).Sie hat uns neue Denkmethoden gelehrt (Komplementaritat), *) Die ,,Recollections of Max Born", erschienen im Bull. of Atomic Scientists 21, No. 7, 8 u. 9 (1965), wurden in deutscher Obersetzung in Universitas 23. 249 (1968) Wiedergegeben und sind in das Buch von Hedwig und Max Born ,,Der Luxus des Gewissens" aufgenommen worden (vgl.Phys.B1. 25, 235, 1969).Das letzte der drei Kapitel, das ,,Oberlegungen" Uberschrieben ist, hat in der deutschen Uffentlichkeit Aufmerksamkeit erregt.Hier mBgen nun die entscheidenden letzten Seiten der Bomschen AusfUhrungen unter Hinweis auf das neue Buch wiedergegeben werden.Wir danken Herrn Dr. B.
Wenn heutzutage eine Gesellschaft von Physikern zusammenkommt, um Fragen der theoretischen Physik zu diskutieren, so wird das Gespräch früher oder später eine ganz bestimmte Wendung nehmen. Vielleicht haben Sie die Gesellschaft verlassen, als gerade die eigenen Spezialfragen oder die neuesten physikalischen Entdeckungen besprochen wurden; aber wenn Sie nach einer Stunde zurückkommen, können Sie jede Wette eingehen, daß man inzwischen bei einem alles überwuchernden Gesprächsthema angelangt sein wird: bei dem verzweifelten Stand der eigenen Unwissenheit. Und das ist keine Phrase. Es ist nicht einmal wissenschaftliche Bescheidenheit. Im Gegenteil, häufig ist die Einstellung eher ein naives Erstaunen darüber, daß die Natur ihr letztes Geheimnis so erfolgreich vor dem scharfsinnigen menschlichen Intellekt hat verbergen können. Die Sache liegt einfach so, daß wir auf dem Wege des Fortschritts urn eine Ecke gelangt sind, und nun steht plötzlich unsere Unwissenheit unverhüllt vor uns, erschreckend und unabweisbar.
Die Veröffentlichung dieses Vortrages erfolgt in der Hoffnung, mit diesem kleinen Beitrag diejenigen größeren Bestrebungen zu fördern, welche im allgemeinen das Ziel verfolgen, die verschiedenen Teildisziplinen, in welche unsere Geistigkeit auseinandergefallen ist, einander wieder näherzubringen. Die Abspaltung der Naturwissenschaften und der Mathematik als selbständige Teildisziplinen aus einer ursprünglich einheitlichen, aber vorwissenschaftlichen Naturphilosophie, welche im 17. Jahrhundert einsetzte, war zwar eine notwendige Bedingung für die weitere geistige Entwicklung des Abendlandes. Aber heute scheinen mir die Voraussetzungen für ein erneutes Einverständnis der Physiker und der Philosophen über die erkenntnistheoretischen Grundlagen der wissenschaftlichen Naturbeschreibung erfüllt zu sein. Die Entwicklung der Atomistik und Quantentheorie seit 1910 hat nämlich dazu geführt, daß die Physik allmählich gezwungen war, ihren stolzen Anspruch, im Prinzip die ganze Welt verstehen zu können, aufzugeben. Alle Physiker, welche die Entwicklung bejahen, die in der systematischen Konstruktion des mathematischen Formalismus der Wellenmechanik im Jahre 1927 einen vorläufigen Abschluß fand, müssen zugeben, daß wir heute zwar Naturwissenschaften, aber kein naturwissenschaftliches Weltbild mehr besitzen. Eben dieser Umstand könnte aber als Korrektur der früheren Einseitigkeit den Keim eines Fortschrittes in Richtung auf ein einheitliches Gesamtweltbild in sich tragen, in welchem die Naturwissenschaften nur ein Teil sind. Hierin möchte ich die allgemeinere Bedeutung der Idee der Komplementarität erblicken, welche dank dem dänischen Physiker Niels Bohr aus dem Boden der Physik gewachsen ist.
A m 11.Dezember 1932 erschien anlaBlich des 50.Geburtstages von Max Born eine Fest-und Sondernummer der bekannten ,,Gottinger Nachrichten".Diese Nummer war unter Mitwirkung der ,,Gottinger Gesellschaft fur komische Physik" von Johann Ertel herausgegeben worden.Nachdem wir schon fruher Teile der Festschrift ohne Befragung von Autoren, Redaktion und Verlag nach ihrem Einverstandnis wiedergegeben hatten, seien nun anla5lich der 30.Wiederkehr des Ausgabetages der Festschrift wiederum einige Beitrage aus den vergilbten Blattern entnommen.Es handelt sich um die tiefschurfenden Arbeiten von C. F. von Weizsacker, V. WeiBkopf, G. Gamow, V. Fock und W. Heisenberg.Infolge besonderer Umstande konnten die am 11.Dezember 1932 in einem Born-Festkolloquium vorgetragenen Arbeiten 1933 nicht im Druck erscheinen.Sie waren lange Jahre verschollen und sind erst kurzlich wieder aufgefunden worden.Wir hoffen nicht nur, daR die Herrn Born gewidmeten Untersuchungen unsere Leser interessieren werden, sondern hoffen auf Verzeihung bei den Autoren wegen unserer redaktionellen Selbstandigkeit.Wir wiinschen uns Zustimmung und stilles Vergnugen bei dem Jubilar, derals gro5er Physiker wohlbekanntauch als Nachdichter nicht nur die Edinburgher erfreut hat, wenn er Wilhelm Busch den Englandern nahe bringt.Hier noch die Ubertragung eines Verses aus dem Englischen ins Deutsche, eines Verses, der ein sehr ernstes Anliegen von Max Born in eine liebenswurdige Form kleidet: Und nun die ausgewahlten Beitrage der ,,Gottinger Nachrichten" vom 11.Dezember 1932, zu deren vollem Verstandnis es an einigen Stellen der intimen Kenntnis des Gottinger Institutslebens vor einem halben Jahrhundert mangelt.Eine Anwendung der Theorie der Kristallgitter BunsenstraBe 0,02940 Konigsallee auf Fragen der Bevolkerungsstatistik 0,00161
Die Debatte tiber die Grundlagen der Quantentheorie, die auf eine mehr als fiinfzigjiihrige Tradition zurtickblickt, war in zwei Perioden besonders intensiv, niimlich unmittelbar nach der Begrtindung der Quantentheorie und wiederum in den letzten Jahren. An die Frtihzeit der Quantenphysik erinnerte Max Born in seiner Rede, die er anliiBlich der Verleihung des Nobelpreises im Jahre 1954 hielt. Er beschrieb die tiefgreifende Meinungsverschiedenheit, die die bertihmtesten Quantentheoretiker in 1 zwei Lager schied: Wenn ich sagte, die Physiker hiitten die damals von uns entwickelte Denkweise angenommen, so war ich nicht ganz korrekt: es gibt ein paar sehr bemerkenswerte Ausnahmen, und zwar gerade unter den Miinnern, die am meisten zum Aufbau der Quantentheorie beigetragen haben. Planck selbst gehorte zu den Skeptikern bis zu seinem Tode. Einstein, de Broglie und Schrodinger haben nicht aufgehort, das Unbefriedigende der statistischen Interpretation der Quanten- mechanik zu betonen. Dieser intellektuelle Kampf betraf einige der grundlegendsten Fragen der gesamten Naturwissenschaft: existieren die atomaren Objekte unabhangig von der menschlichen Beobachtung und, wenn dies- der Fall ist, sind sie dann dem menschlichen Verstiindnis zugiinglich? 1m groBen und ganzen kann man sagen, daB die Kopenhagener und Gottinger Schulen (Bohr, Heisenberg, Born . . . ) diese Fragen ziemlich pessimistisch beantwor- teten. Niels Bohr befiirwortete beispielsweise den Gebrauch des Wortes Phanomen nur zur Beschreibung einer Messung, die notwendigerweise eine vollstandige Be- schreibung des MeBapparates mitenthielt und damit nicht das atomare Objekt selbst, sondern seine Wechselwirkung mit dem von Menschen gewahlten Apparate betraf.
Heft 2, von einem hervorragenden Kenner der Materie besprochen.B. L. van der Waerden schreibt unter anderem: ,,Auf jeder Seite spurt man, dab hier ein Kenner am Werk ist: einer, der die ganze Entwicklung aus nachster N i h e beobachtet und gedanklich mit vollzogen hat, von den ersten tastenden Versuchen bis zur vollen begrifflichen Krirung".Dem kann sachlich nichts hinzugefiigt werden.So sei dem Rezensenten eine personliche Bemerkung erlaubt.Ich greife einen Satz aus dem Vorwort auf.Der Autor schreibt: ,,Vielleicht versteht man die Physik besser, wenn man die Schwierigkeiten ihrer Entstehung kennt".Dies ist sicher richtig.Ich mijchte noch weitergehen und sagen, dab wir versuchen sollten, die personliche Leistung einzelner Wissenschaftler in ihrem Bemiihen um ein besseres Verstandnis der Zusammenhange zu erkennen.Gerade f i r Lehrer aller Bereiche scheint mir dies besonders wichtig.Nur wenn der Lehrende diese Leistung selbst erkennt, kann er seinen Schiilern einen Eindruck von dem menschlichen Abenteuer vermitteln, das wissenschaftliche Forschung immer war und sicherlich bleiben wird.Biicher wie die ,,Geschichte der Quantentheorie" kiinnen da eine grobe Hilfe sein.Deshalb sei dieses Buch allen denen empfohy Ien, die nicht nur wissen wollen, wo wir heute stehen, sondern auch, wie wir dorthin
Wir wissen heute — was griechische Philosophen vorausgeahnt haben —, daß die Materie, so, wie sie greifbar und sichtbar vor uns liegt, sich zusammensetzt aus ungeheuer vielen unsichtbaren kleinen Körperchen, Atome genannt. Unser diesbezügliches Wissen ist keineswegs alt — obwohl die von den Griechen übernommene Atomvorstellung seit Anbeginn der abendländischen Naturwissenschaft als anschaulicher Leitgedanke der naturwissenschaftlichen Forschung und naturwissenschaftlichen Vorstellungsbildung eine ganz entscheidende Rolle gespielt hat. Aber erst in unserem Jahrhundert ist das, was bis dahin Vermutung, Spekulation oder der Entwicklung vorauseilende Phantasie gewesen war, zum Rang einer durch unmittelbare experimentelle Beweise erhärteten festbegründeten wissenschaftlichen Erkenntnis erhoben worden. Man kann deshalb sagen, daß unser Jahrhundert für die Physik geradezu das Jahrhundert der Atomforschung ist; und eine Darstellung des Gedankeninhalts der modernen Physik hat vor allem von dieser Erfassung und Erforschung der Atome zu berichten.