Gespenstische Fernwirkung
Roger G. Newton
ZusammenfassungWie wir in Kapitel 4 schon gesehen haben, brachte die im ersten Viertel unseres Jahrhunderts entwickelte Quantentheorie einschneidende Veränderungen unserer Auffassungen über die Natur mit sich. Dieser Wandel rührte vor allem vom Verzicht auf einen strikten Determinismus her, und zwar nicht nur für längere Zeiträume wie in der klassischen Mechanik, sondern auch für kurze Zeitspannen im atomaren Maßstab. Manche Wissenschaftshistoriker meinen, die irrationale, antideterministische Stimmung und das politische Chaos in Deutschland nach der Niederlage im 1. Weltkrieg hätten zum Aufkommen der Quantenmechanik entscheidend beigetragen. Lewis S. Feuer bezog sich auf die letztlich erfolglose Revolution in Bayern mit dem Versuch, eine Räterepublik zu errichten, und auf den danach einsetzenden Gegenterror, als er schrieb: «Ohne die Geschehnisse von 1919 in München hätte Heisenberg die Unschärferelation nicht aufstellen können.»(34) Solche provozierenden externen soziologischen Deutungen der Wissenschaft enthalten zuweilen ein Körnchen Wahrheit, so daß sie plausibel klingen; aber sie geben das Wesen der Naturwissenschaft verzerrt wieder. Um die psychologischen Ursprünge neuer Ideen zu erklären, reicht es nicht aus, ihre experimentelle Bestätigung, ihre breite Akzeptanz und ihre Dauerhaftigkeit zu beschreiben.
Birkhäuser Basel eBooks•Jan 1, 1995•0 citations