Bohrs quantentheoretische Naturbeschreibung und die Psychologie
Ernst Plaum
Der Einfluss der Psychologie auf die Konzeption der Komplementarität bei Nils Bohr wird erörtert. Unabhängig von der Streitfrage, ob Bohr das Werk von William James bekannt war, bevor er die Idee der Komplementarität entwickelte, lassen sich verschiedene Beziehungen zur Psychologie aufweisen, auf die der dänische Quantenphysiker ohne Zweifel zurückgreifen konnte. So spielte der Kopenhagener Philosoph und Psychologe Höffding im Leben Bohrs eine besondere Rolle, vor allem aber sein Freund Edgar Rubin. Die von diesem Wahrnehmungspsychologen untersuchten Kippfiguren stellen ein hervorragendes Beispiel für Komplementarität im Psychischen dar. Weshalb Bohr hierauf nicht Bezug genommen und darüber hinaus weder Höffding noch Rubin zitiert hat, lässt sich nur vermuten.
Psychologie und Geschichte•Jan 1, 1992•8 citations